Donnerstag, 13. Juli 2017

Fertsch

Le fin, el final, alla fine, das Ende. Nennt es, wie ihr wollt. Wir sind wieder zuhause. Etwas früher als geplant, haben wir die Heimat erreicht. Nach einem sehr schönen Besuch in Dresden bei Henris Ex-Kindergarten-Freundin Lale (sowie ihrer Mama Mandy und Schwester Frieda) wollten wir ja eigentlich noch in der sächsischen Schweiz oder dem Spreewald die Tour abschließen. Aber dann machte uns der blöde Regen einen Strich durch die Rechnung. Und so entschieden wir uns für einen letzten Ritt back home. Denn mal ehrlich: Wenn man bei Regen drinnen hocken muss, kann man das auch zuhause machen – schließlich hat man hier mehr Platz als im Wohnmobil. Einmal die A13 hoch und ca. zwei Stunden später waren wir wieder in Berlin.

Die letzten Tage standen ganz im Zeichen des Ein-, Aus- und Aufräumens. Seitdem laufen hier viele Dinge fast pausenlos: Die Waschmaschine (für die ganze mitgeschleppte Dreckwäsche), wir (zwischen dem Wohnmobil und unserer Wohnung hin und her) oder Henri (der kann endlich wieder mit seinen Freunden spielen). Und langsam kommen wir wieder ein bisschen im Alltag an. Henri geht wieder in den Kindergarten, was uns tagsüber ein bisschen Luft verschafft, allerdings auch wieder für pünktliches Aufstehen sorgt. Klara hat viel mehr zu entdecken und möchte am liebsten jeden Gegenstand in der Wohnung mit ihren kleinen Händchen anfassen (bzw. herunterschmeißen). Nachmittags treffen wir uns wieder mit der ganzen Nachbarschaft auf dem Hof. Eigentlich alles wie immer, außer dass wir noch nicht wieder arbeiten müssen. Yippieh!

Hinter uns liegen sehr aufregende, schöne und intensive neun Wochen. Es gab sehr viele tolle Momente, wunderschöne Landschaften, nette Menschen, viel Sonnenschein. Es gab natürlich auch Stress und Streit (soll ja bei uns manchmal auch zuhause vorkommen), aber das soll das Gesamtfazit nicht schmälern. Es war eine großartige Erfahrung. Wir haben unsere deutsche und europäische Nachbarschaft etwas besser kennen und lieben gelernt. Da können wir ruhig öfter hin. Der Autor dieser Zeilen konnte z.B. seine Vorurteile gegenüber den "miesen Franzosen" (nicht ernst gemeint) endlich abbauen. Das ist doch klasse, oder?

Auch das Leben in einem Wohnmobil ist eine spannende Sache, die wir jedem nur empfehlen können. Natürlich wissen wir bestimmte Annehmlichkeiten unserer Wohnung wieder sehr zu schätzen, wie z.B. den Geschirrspüler, das Bett oder das Bad. Aber Frühstück im Freien bei Sonnenschein mit original französischen Croissants ist trotzdem unschlagbar. 

Und weil wir so viel herumgekommen sind, gibt’s hier etwas Statistik um die Ohren:

Unsere Reiseroute umspannte folgende Länder/Regionen/Kantone:
  1. Deutschland
    1. Berlin (Start)
    2. Brandenburg
    3. Sachsen
    4. Thüringen
    5. Hessen
    6. Rheinland-Pfalz
    7. Saarland
  2. Luxemburg
  3. Frankreich
    1. Lothringen
    2. Champagne-Ardenne (nur Durchfahrt)
    3. Franche-Comté
    4. Burgung
    5. Rhône-Alpes
    6. Languedoc-Roussillon
    7. Midi-Pyrénées (nur Durchfahrt)
  4. Andorra
  5. Spanien (nur Durchfahrt)
  6. Frankreich
    1. Languedoc-Roussillon
    2. Provence-Alpes-Côte d'Azur
  7. Italien
    1. Ligurien
    2. Piemont
  8. Schweiz
    1. Tessin
    2. Graubünden
  9. Liechtenstein
  10. Österreich (nur Durchfahrt)
  11. Deutschland
    1. Bayern (nur Durchfahrt – zum Glück!)
    2. Baden-Württemberg
    3. Hessen
    4. Nordrhein-Westfalen
    5. Thüringen
    6. Sachsen
    7. Brandenburg (nur Durchfahrt)
    8. Berlin
Hier unsere Tour auf der Karte

Macht also insgesamt neun Länder (fast zehn, aber Monaco haben wir um ein paar Meter verpasst) und zehn Grenzübertritte. Nicht schlecht dafür, dass wir am Anfang nicht wussten, wo wir hinwollen. Bei der Übernahme des Wohnmobils hatte dies einen Kilometerstand von 1.720 Kilometern. Bei der Abgabe waren es 7.934, womit wir also 6200 Kilometer verfahren haben. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 11,7 Litern pro 100 km haben wir also ca. 725 Liter Diesel verfahren (sorry, liebe Umwelt), was bei einem Preis von durchschnittlich 1,25 Euro pro Liter Diesel irgendwas über 900 Euro gekostet hat (uff!). Die restlichen Kosten verschweigen wir, denn über's Geld redet man nicht. Außerdem ist ja die Zeit mit der Familie unbezahlbar, oder? Oder?? ;-)

Also, ihr Lieben. Macht es gut, passt auf euch auf, seid nett zueinander - und geht auf Reisen, solange ihr es könnt.

Danke fürs aufmerksame Mitlesen und Mitfiebern
Anne, Klara, Henri und Basti.

Donnerstag, 29. Juni 2017

Heimfahrt

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei - jawoll mein Schatz, es ist vorbei!
Ganz vorbei ist es für uns noch nicht, aber wir sind auf dem Rückweg und seit einigen Tagen bereits wieder auf deutschen Boden. Denn auch wenn wir hierzulande endlich wieder kostenlos die Autobahn nutzen können (und dies in den letzten Tagen ausgiebig getan haben), können wir meist nicht mehr als 200 km am Tag schaffen, bevor die Kinder quaken. So benötigt die Tour nach Berlin eine gewisse Zeit, zumal wir noch ein paar Freunden einen Besuch abstatten möchten.

Vor der Einreise nach Germanien haben wir uns noch ein paar kleine Schmankerl im Ausland gegönnt. Da gab es zunächst in Disentis eine tolle Seilbahn, die wir dank unserer Übernachtung auf dem Campingplatz kostenlos nutzen durften (ein Preisvorteil von immerhin 22 CHF pro Nase!). Die Seilbahn führte uns hoch auf 1.860 Meter. Von dort oben hatten wir ein super Alpenpanorama und für Henri gab es sogar einen Spielplatz. Dafür hatte sich die Hetzerei vorher echt gelohnt, denn wir kamen nur mit Ach und Krach pünktlich zur Abfahrt der Gondel an. Versucht mal mit zwei Kleinkindern eine Treppe hochzurennen - da kommt ihr echt aus der Puste!

Das Alpenpanorama bei Disentis


Wahrscheinlich der schönste Schaukelplatz der Welt

Nach diesem Zwischenstopp führte unsere Fahrt weiter entlang des Vorderrheins bis zur Ostgrenze der Schweiz und einem weiteren kleinen Ländchen: Dem Fürstentum Liechtenstein. Bereits der Grenzübergang war ein Erlebnis, da dieser durch eine Art Kastell mit extrem schmalen Toren führt. Das Wohnmobil passte grad so durch. Außerdem befindet sich direkt nebenan ein Schießplatz der Schweizer Armee (wahrscheinlich der berittenen Gebirgsmarine), auf dem just im Moment unserer Vorbeifahrt mit Maschinengewehren und Mörsern Schießübungen stattfanden. Das hatte ordentlich geknallt und uns heftig zusammenzucken lassen. Schüsse beim Grenzübertritt hatten wir doch bereits zu Ostzeiten und fanden das damals schon blöd!

Passen wa da durch? - Wat nicht passt, wird passend jemacht!

Liechtenstein ist relativ übersichtlich. Von der Größe her vergleichbar mit Potsdam. Allerdings mit weniger Einwohnern und sehr viel mehr Bergen. Alles sieht ziemlich niedlich nach Alm aus - so wie eben in der Schweiz. Sowieso sind die Schweizer und Liechtensteiner eng miteinander verbandelt. Bezahlt wird z.B. auch mit Schweizer Franken und es ist genauso teuer (also nüscht mit günstig tanken wegen Steueroase). Die Hauptstadt von Liechtenstein ist übrigens Vaduz. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen unter anderem die alte Rheinbrücke und (natürlich :-D ) das Nationalstadion der Fußballnationalmannschaft. Beide liegen glücklicherweise nebeneinander. In der Stadt gibt es aber auch ein paar nette Kirchen und Häuser. Es gibt sogar ein Schloss (logisch, ist ja eine Monarchie), aber dafür fehlte uns leider die Zeit. Aber beim Regierungssitz kamen wir dafür vorbei. Ist doch besser, als so'n oller Fürst. 

Fürst Henri


Sitz der Regierung von Liechtenstein 


Die alte Rheinbrücke mitsamt Rhein (logisch) und Alvier-Bergkette im Hintergrund


Fürstin Klara


Rheinparkstadion

Von Liechtenstein aus ist es dann nicht mehr weit bis in die Heimat. Einmal kurz durch den Nordwestzipfel von Österreich (noch ein Länderpunkt) und schon ist man im bayerischen Lindau am Bodensee. Da war aber der Campingplatz voll, also fuhren ein paar Minuten weiter und waren schon in Baden-Württemberg. Schon komisch: Da flüchten wir vor den Schwaben am Mittelmeer, nur um dann vor ihrer Haustür zu halten. Aber zumindest die Gegend ist ja nicht zu verachten. Z.B. die Schwäbische Alb, an deren Nordrand wir an einem sehr schönen Stausee campierten. Ebenfalls nicht zu verachten ist der Odenwald. Hier gibt es sehr viele schöne Dinge zu erkunden, aber der straffe Reiseplan ließ "nur" einen Besuch beim Felsenmeer zu. Dieses ist eine riesige Ansammlung von großen Felsen, die so aussehen, als wären sie von einem Riesen mit dem Eimer an einem Berghang ausgekippt worden. Eine tolle Sache zum Klettern. Leider ist Henri noch etwas zu ungeschickt, sodass wir ständig hinterherklettern mussten. Uff, da kamen wir ordentlich ins Schwitzen. Zurück auf der Autobahn ging es weiter bis Wetzlar. Vom dortigen Stellplatz hätten wir leicht die sehr schöne Altstadt besichtigen können, aber unser Stadtbummel reichte nur bis zum nächsten Biergarten mit angeschlossenem Spielplatz. Dafür hatten wir abends direkt vor unserem Wohnmobil lauter Glühwürmchen, die herumschwirrten. Das sah toll aus.

Das Felsenmeer

Die wackeren Kletterer
  
Schließlich erreichten wir Nordrhein-Westfalen. Dort im Sauerland lebt in dem kleinen Örtchen Balve Steph, unsere Freundin aus Neuseeland-Zeiten. Im Haus von ihr und ihrer Familie wurden wir sehr herzlich aufgenommen und bewirtet. Obendrein konnten wir mal wieder in einem richtigen Bett und vier Wänden schlafen. Schööön. Da die gute Steph vom Beruf Försterin ist und sowieso die ganze Familie sehr naturnah lebt, gab es auch ein paar Tiere zu bestaunen. Z.B. einen Siebenschläfer oder eine Forellenzucht. Und das Haus war ein bisschen wie ein verrücktes Labyrinth aufgebaut. Vielen Dank für die schöne Zeit. Wir kommen gerne wieder. 



Der Versuch eines Gruppenfotos - die Kinder zeigten kein Interesse :-)

Und so erreichten wir schließlich wieder den Osten und sind jetzt wieder in Jena bei Miri, die uns erneut in ihrem Haus Asyl gestattet hat. Vielen lieben Dank für Speis, Trank und Bett.
Jetzt ist es wirklich nicht mehr weit. Berlin ist auf der Autobahn sogar schon ausgeschildert. Es kommt ein bisschen Wehmut auf. Aber das Resümee und die letzten Worte kommen erst beim nächsten Blogeintrag - noch sind wir ja unterwegs.

Bis dahin
die Rasselbande.

Dienstag, 20. Juni 2017

Die Bergwelt

Tja, da rennt die Zeit dahin. Schon wieder haben wir euch schön schmoren lassen. Allerdings haben wir dieses Mal eine gute Ausrede: Es war einfach viiiel zu warm. Das hat nämlich mehrere Dinge zur Folge. Zum einen sinkt die Aktionsbereitschaft des Autors bei Temperaturen ab 30 Grad auf einen Wert, der von Null nicht verschieden ist (ein Mathematikerwitz). Lediglich Im-Schatten-Sitzen ist eine annehmbare Tätigkeit, alles andere ist mehr als optional. Vielleicht noch Pool, wenn man denn darf.* Zum anderen wird es bei solch warmen Temperaturen äußerst schwierig, die Kinder ins Bett zu bekommen. Die schwitzen sich im aufgeheizten Auto ja kaputt. Zumal bei den "Südländern" (nein, nicht die, die die AfD immer meint; sondern Spanier/Franzosen/Italiener) ja auch bis spät abends mit den Kindern Remmidemmi gemacht wird, was Henri natürlich spannender als Einschlafen findet.
Daher spannt sich dieser Reisebericht nun über fünf Länder, zwei Hochgebirge, zwei Zwergstaaten und ca. 2000 Reisekilometer. Schnallt euch also an.

Wo waren wir zuletzt? Ach ja, wir waren vor den badischen/schwäbischen Horden vom Mittelmeer in Richtung Pyrenäen geflüchtet. Eine gute Entscheidung, da diese wirklich beeindruckend gewaltig und schön sind. Allerdings bekommt man als Fahrer ordentlich was zu tun. Bergauf und bergab im zweiten oder maximal dritten Gang ist hier die Regel. Und der Beifahrer sollte bei manchen Abhängen lieber schwindelfrei sein. Aber bereits im Vorgebirge gibt es einige Perlen zu entdecken. Eher durch Zufall stießen wir auf das Dorf Minerve, welches - wie schon zuvor Mirmande - zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs gekürt wurde. Also nüscht wie hin da! Das Dorf hält dann auch wirklich, was es verspricht. Und auch historisch hat es was zu bieten, dafür aber eher härtere Kost: Im 12. Jahrhundert war dies nämlich ein Zufluchtsort der Katharer (christliche Glaubensrichtung - allerdings nicht katholisch und daher als Ketzer verfolgt) während des gegen sie geführten Albigenserkreuzzugs. Leider hielt der Widerstand nicht lange und am Ende wurden alle von ihnen dahingemeuchelt. Schon damals waren Glaubenskriege halt bescheuert - hat sich bis heute nicht geändert.

Minerve

Weiter ging es über Carcassonne (leider war es zu warm für eine Stadtbesichtigung - kommt auf die Liste für die zukünftigen Reiseziele) in Richtung Andorra. Beim Anblick der zum Teil mit Schnee bedeckten Berge gab es die "Oohs" und "Aahs" von uns. Die Tour von Quillan bis nach Andorra ist echt eine schöne Strecke. Besonders unter Radfahrern ist sie sehr beliebt, schließlich jagt auch die Tour de France hier regelmäßig durch. Und wie schnell diese Fahrräder werden können, erlebten wir hautnah, als wir bergab bei Tempo 50 von einem überholt wurden! Hossa! Aber ist ja eh alles nur Doping. Wenn auch etwas langsamer erreichten wir letzten Endes unser Ziel: Den Zwergstaat Andorra. Warum Andorra? Keine Ahnung. Ich persönlich kenne das Land nur von den Fußballländerspielen her und fand es einfach witzig, ein Land zu besuchen, wo vorher noch keiner war - also keiner, den wir kennen.

Die Pyrenäen kündigen sich an

Daher hiermal ein paar Basisfakten über Andorra: Mit einer Größe von 470 Quadratkilometern ist das Land knapp halb so groß wie Berlin. Dafür liegt es überwiegend über 1000 Metern Höhe, wovon Berliner nur träumen können. Andorra ist nicht EU-Mitglied und daher eine beliebte Steueroase. Das wirkt sich auch auf das Landschaftsbild aus, denn kurz nach der Grenze reihen sich Tankstellen, Supermärkte und Shops nur so aneinander. Aufgrund der Höhenlage ist auch ein beliebtes Winterreiseziel, was sich in der hohen Dichte an Winterpensionen niederschlägt. Optisch ist das natürlich nicht so sexy. Dafür hat man aber drumherum die 2000er der Pyrenäen und die sehen umso toller aus. Für die Einreise aus Frankreich gibt es nur den Weg über den Envalira-Pass: Entweder den teuren Tunnel durch den Berg oder die kostenlose Straße über den Berg hinüber. Ist ja klar, dass wir oben rüber gefahren sind. Immerhin handelt es sich dabei um den höchsten asphaltiern Pass der Pyrenäen auf schlappen 2407 Metern Höhe. Und das coole dabei ist, dass es danach durch Andorra hindurch bis nach Spanien nur noch bergab geht. Lustiges Land.

Unser Auto hat den Aufstieg geschafft

Auf dem Pass liegt auch im Sommer noch Schnee

Andorra hat sogar eine Hauptstadt und die heißt Andorra la Vella. Dort schlugen wir unser Nachtlager auf gleich oberhalb vom ehemaligen Nationalstadion der andorianischen Fußballnationalmannschaft (seit drei Jahren gibt es ein neues; und ja, ich bin ein Fußballnerd, weil ich sowas super-interessant finde!). Wir haben auch einen kleinen Stadtbummel gemacht, aber so richtig mega-sehenswert war die Stadt jetzt nicht. Also es gibt schon eine nette Altstadt, aber das war es dann. Und daher rollten wir weiter bergab über die spanische Grenze rüber, bogen nach links ab, tuckerten noch etwas weiter durch die Berge und waren auch schon wieder in Frankreich an der Mittelmeerküste. Verrückt oder?

Casa de la Vall - Regierungssitz von Andorra

Kirche Sant Esteve

An diesem Punkt hatten wir schon längst die Hälfte unserer Reisezeit hinter uns gelassen und mussten daher die Rücktour planen. Die Wahl fiel auf die Route über Monaco und die Alpen. So fanden wir einen Kompromiss zwischen der Meer- und Berg-Fraktion in unserer Reisegruppe (ist das eigentlich in allen Beziehungen so aufgeteilt?). Auf dem Weg machten wir kurz Halt in Montpellier, um - na klar! - zu IKEA zu gehen. Denn Klärchen sollte endlich ihren eigenen Stuhl am Esstisch bekommen. Glücklicherweise war direkt nebenan das Meeresaquarium, in dem wir danach die Bewohner der Meere aus nächster Nähe bestaunen konnten. Besonders das riesige Bassin mit den Haien fand Henri wahnsinnig aufregend. Um etwas Strecke zu machen, fuhren wir im Anschluss am späten Abend weiter. So ergab es sich, dass wir gegen 21 Uhr Marseille durchquerten. Ich sag es mal so: Für jeden Berliner, der sich nach mehreren Wochen wunderschöner Landschaft mal wieder ein bisschen verranzte Großstadt gönnen möchte, ist Marseille bei Nacht genau richtig. Ein Mix aus Neukölln/Wedding/Charlottenburg würde ich sagen. Danke liebes TomTom-Navi-Gerät.

Henri wird vom Hai beschnuppert

Ein Bottich voller Quallen - lecker!

Und so erreichten wir die Côte d'Azur. Diese ist - nun ja - schon schön. Aber eigentlich macht es nur Spaß, wenn man Geld wie Heu hat. Dagegen mit dem Wohnmobil an der engen Küstenstraße entlang zusammen mit all den Motorollern und anderen Autos... ist etwas anstrengend. Und als Krönung des Ganzen hatten wir dann auch noch Monaco um wenige Meter verpasst, weil wir zu spät auf die Küstenstraße trafen. Also hier kein Länderpunkt. :-( Der Übergang von der französischen zur italienischen Riviera bemerkt man vor allem am Verkehr - auf einmal ist mehr Action auf den Straßen und Regeln bekommen mehr einen Empfehlungscharakter. Und wenn der Fahrer auch noch zu doof ist, um das Hinweisschild zum Supermarkt richtig zu lesen, macht es doppelt und dreifach Spaß. :-)

Was allerdings langsam wirklich anstrengend wurde, war die Hitze. Da es am Mittelmeer nur recht wenig schattige Plätze gibt, konnte die Sonne ordentlich brezeln. Daher wählten wir den direkten Weg nach Norden durch die ligurischen Alpen (bzw. Alpes Mediterranes) zur Po-Ebene. Anne wäre gerne noch länger am Meer geblieben, konnte/wollte aber nicht mehr mein Gejammer ertragen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Cuneo (?) testeten wir mal die italienische Autobahn aus (ist gut, aber teuer und über die italienischen Autofahrer sage ich lieber nix**). Und so waren wir schwupp-di-wupp am Lago Maggiore. Ein schöner See, der trotz seiner Größe und des reichlichen Tourismus' sehr klar und sauber ist und förmlich zum Hineinspringen einlädt. Hach, geht es den Menschen gut, die hier leben. Da kann man echt noch mal hin. Hier wurde das Italienisch auch immer mehr vom Deutschen verdrängt. Man merkte, dass die Schweiz nur ein paar Kilometer entfernt war, schließlich teilen sich beide Länder den Lago.

Lago Maggiore


Koloss San Carlo (bis zum Bau der Freiheitsstatue die größte begehbare Statue der Welt)

Koloss Henri (größter Poser der Welt)

Und da sind wir inzwischen gelandet mitten in den Zentralalpen an der Quelle des Rheins bei Disentis. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, die Bäume und Berge spenden Schatten, das Bächlein plätschert, die Kühe muhen und irgendwo springt Heidi über die Almwiese. Wäre ich Schweizer, ich würde auch sagen "Leckt mich am Arsch, ich bleib neutral und geh jetzt wandern, ihr Zipfelklatscher!".

Ein typisches Alpenpanorama

Auf dem Wasserspielplatz hat Käpt'n Henri viel zu tun

Klara beim Planschen

Deshalb Gruezi
eurer Reisetrüppli.



*Anmerkung 1:
Anscheinend ist Deutschland ein sehr liberales Land bei der Bekleidung im öffentlichen Schwimmbad. Denn während bei uns weite Badeshorts völlig normal sind, sind diese in Frankreich verboten. Stattdessen muss es bitteschön eine eng anliegende knappe Hose sein. Kein Problem für Henri und mich, schließlich wollen wir ja mit unseren Knackpopos angeben. Schwierig wurde es dann aber in Italien, wo noch eine Badekappenpflicht oben drauf kommt. Also sorry, aber wer von euch hat denn noch eine blöde Badekappe zuhause.
Interessant ist auch die Aufteilung der Nassbereiche. Bei uns ist alles ja ganz sauber in Männlein und Weiblein getrennt, in Südfrankreich dagegen gibt es einen Bereich für alle. Stattdessen wird aber zwischen Waschbereich und Klo getrennt, d.h. nach dem großen Geschäft wäscht man sich im anderen Raum die Hände. Aber immerhin kann man so endlich mit seiner Liebsten um die Wette pupsen.

**Anmerkung 2: Okay, ein bisschen muss ich doch über ausländische Autofahrer erzählen. Grundsätzlich ist das Fahren auf Autobahnen in Luxemburg, Frankreich oder Italien entspannter als in Deutschland. Ganz einfach deshalb, weil es ein Höchstgeschwindigkeit von 110-130 km/h gibt und man dementsprechend auf der linken Spur nicht mit Hochgeschwindigkeitsgeschossen rechnen muss. Blinken ist dagegen echt nicht so die Sache der Franzosen und Italiener. Entweder blinken sie gar nicht (ist ja bei uns leider auch schon weit verbreitet) oder vergessen für die nächsten 30 Minuten, dass sie den Blinker eingeschaltet hatten. Auch das Rechtsfahrgebot ist öfter mal ein Fremdwort. In der Mittelspur mit 90 tuckern ist doch auch schön. Und in Italien ganz beliebt - der Standstreifen. Dieser wird von den Einheimischen gerne und ausgiebig zum Stoppen benutzt. Z.B. wenn sich eine in Kolonne fahrende Hochzeitsgesellschaft wieder sammeln möchte. Hmmja, okayyyyy. Mehr will ich aber nicht lästern, schließlich komme ich aus einem Land bzw. einer Stadt, wo auf den Straßen nicht grad zimperlich gefahren wird.

Dienstag, 6. Juni 2017

Fronkraisch, Fronkraisch

Bonjour mes amis!

Unser letzter Eintrag endete kurz nachdem wir französischen Boden betreten hatten. Hier stand wir vor der Entscheidung, in welche Richtung wir unsere Reise fortsetzen sollten. Unser inoffizielles Reiseziel ist Andorra (damit wir sagen können, dass wir mal da waren) und um dieses zu erreichen, mussten wir einmal Frankreich von Nord nach Süd durchqueren. Aber wie? Direkt nach Westen, um die Normandie und Bretagne mitzunehmen? Oder Richtung südliche Atlantikküste bei Bordeaux? Gerade durchs Land ohne Meer? Oder doch direkt nach Süden zur Côte d'Azur? Im Endeffekt haben wir uns für den Mittelweg zwischen den letzten beiden Optionen entschieden. Denn der Weg durch Deutschland hatte ja nun schon lange genug gedauert und wir wollten endlich warmes Sommerwetter bekommen.

Und in dieser Hinsicht haben wir bisher alles richtig gemacht. Tag für Tag steigen die Temperaturen und scheint die Sonne ein bisschen mehr. Zum Glück haben die meisten Campingplätze Bademöglichkeiten. Und abends können wir wieder schön lange draußen sitzen und uns die kühlgestellten Getränke (z.B. Wein oder Bier) schmecken lassen. Es fühlt sich immer mehr an wie ein Sommerurlaub. Und dieses Frankreich weiß echt zu gefallen mit seiner Landschaft. Wer viel davon sehen möchte, dem sei unser TomTom-Navigationsgerät wärmstens ans Herz gelegt. Diese hat anscheinend einen eingebauten Panorama-Modus, denn immer, wenn es die Wahl zwischen einer breiten Bundesstraße um den Berg herum und einer engen Serpentinenpiste über den Berg hinüber hat, entscheidet es sich ganz gewiss für die letzter Option und behauptet steif und fest, dass das die schnellste Route wäre. Das hat optisch durchaus seine Reize, sorgt aber bei der Steuerung eines fast 3,5-Tonnen schweren Gefährts für einige Schweißperlen auf der Stirn. Na gut, zum Teil sind wir auch selbst Schuld, weil wir meistens auf die kostenpflichtige Autobahn verzichten. Aber trotzdem trauen wir unserem Navi nicht mehr so ganz.

Jedenfalls konnten wir gut den Wandel der Landschaft von Nord nach Süd beobachten. Von Pont-à-Mousson ging es an Nancy vorbei in Richtung Süd durch Lorraine bzw. Lothringen. Hier ist das Bild geprägt von grünen Hügeln, auf denen Schafe, Kühe oder Pferde weiden. Dazwischen Felder, über die hin und wieder ein Mähdrescher oder Traktor rollte, und verschlafene Dörfchen mit ein paar alten Häuschen und einer buckeligen Oma am Straßenrand. Sehr schön und sehr entspannt. Und das hätte alles uns gehören können, hätten wir damals nicht den Krieg... aber lassen wir das lieber. Weiter ging es parallel zur Autobahn durch das Grenzgebiet zwischen den Regionen Champagne-Ardenne, Franche-Comte und Bourgogne, wo die Hügel immer höher und steiler wurden. Dank der oben genannten Eigenschaft des Navis wurde daher die von uns zurückgelegte Strecke immer kürzer und Anne saß immer öfter kopfschüttelnd über der Karte (die aber leider viel zu grob ist, um auf das Navi komplett verzichten zu können).
Schaun das Schaf

Ostfrankreich: Typisches Landschaftsbild

Nach einer besonders intensiven Tour wurden wir immerhin mit einem kleinen Kinderparadies belohnt, denn auf dem Campingplatz gab es alles, was das Herz eines kleinen 2jährigen Energiebündels höher schlagen lässt: Hüpfburg, Trampolin, Spielplatz und Hallenbad. Und was noch besser war: Direkt neben uns hielt am nächsten Tag ebenfalls eine vierköpfige deutsche Jungfamilie. Und so gab es endlich mal Spielkameraden für unsere beiden Racker. Henri und die 3jährige Viktoria unterhielten in der Folge den ganzen Campingplatz, als sie nur mit Indianerschminke im Gesicht bekleidet wild kreischend übers Gelände rannten und imaginäre Feinde angriffen. Und Klara hat sich hoffentlich bei der 1jährigen Katharina ein paar Krabbel-Moves abgeschaut. Wir beide genossen abends mit den den Eltern Vincent und Anke ein paar Gläser (zuviel) Wein und quatschten bis (viel zu) spät in die Nacht. Nebenbei konnten wir uns bei den beiden noch tolle Tipps für die weitere Südroute holen, da sie von dort auf dem Rückweg waren.
Henri und Viktoria beim Wettrennen

Klara lernt derweil fliegen
U.a. empfahlen sie uns den Besuch des Dorfes Mirmande, welches zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs gewählt wurde. Zurecht! Man bekommt zwar stramme Waden von den steilen Gassen, weil es direkt an einem Berghang liegt. Und barrierefrei ist es dort garantiert nicht (also Kinderwagen zuhause lassen). Aber sonst hätte es ja auch nicht dieses tolle Flair. Ein bisschen stellen wir uns so ein sizilianisches Dorf vor (vermutlich gibt es in Mirmande auch einen Paten). Überhaupt wurde die Gegend im südlichen Teil der Rhône-Alpes, wo wir uns nun befanden, immer mediterraner. Auf einmal hörte man Zikaden (oder es saß überraschend eine früh morgens auf dem Stromstecker – brrr!) und statt Laubbäumen gab es mehr Zitronenbäume oder Büsche am Wegesrand. Man spürte förmlich, dass das Meer nicht mehr so weit weg sein konnte. Vorher gönnten wir uns aber noch ein paar Highlights.


Mirmande
Mirmande - Achtung, man kann sich leicht verlaufen
Zum einen befindet sich hier die Chauvet-Höhle, welche einige der ältesten und schönsten Höhlenmalereien der Menschheit (die ältesten ca. 36.000 Jahre alt) beinhaltet. Die Höhle selbst darf man leider nicht besuchen, aber um der Öffentlichkeit einen perfekten Eindruck zu geben, wurde die Höhle einfach 1:1 in der Caverne du Pont d'Arc nachgebaut und kann besucht werden. Und eben das taten wir. Sehr faszinierend, wie gut und präzise diese Höhlenmalereien sind (leider durfte man keine Fotos machen, was im Nachhinein eigentlich keinen Sinn ergibt). Henri fand aber die Nachbildungen vom Mammut und Säbelzahntiger viel spannender. Die namensgebende Pont d'Arc für die Caverne ist übrigens ebenfalls sehr sehenswert. Hier handelt es sich um einen natürlichen Durchbruch des Flusses Ardèche durch den Felsen, wodurch eine bogenartige (Arc) Brücke (Pont) entstand. Und wenn man schon mal da ist, folgt man noch gleich dem Flussverlauf Richtung Rhône, denn so durchquert man die Gorges de l'Ardèche. Diese Schlucht ist atemberaubend schön. Sie ist auch atemberaubend steil und hoch – aber gerade deshalb so schön! Atemberaubend ist auch die Pont du Gard (also die Brücke über den Fluss Gard). Dabei handelt es sich nicht um eine gewöhnlich Brücke, sondern ein 2000 Jahre altes Aquädukt aus der Zeit der Römer. Es ist sowohl eins der höchsten als auch am besten erhaltenen Aquädukte. Und es wurde von den Römern in nur fünf Jahren erbaut. Da sollen sich mal die BER-Planer eine Scheibe abschneiden!

Manni das Mammut

Gorges de l'Ardêche - für ein gutes Foto begeben wir uns auch in Lebensgefahr
Pont d'Arc
Pont du Gard


Und endlich erreichten wir das Mittelmeer. Südöstlich von Montpellier ließen wir uns an diesem nieder und erholten uns erst einmal vom vielen Fahren. Allerdings waren wir in einer Art Campingplatz für Cluburlauber gelandet und haben den kompletten Reisestrom der Pfingstferienfahrer aus Baden-Württemberg abbekommen. Also echt... ich bin ja kein Rassist, ABER... diese Sprache! Nee, das ist keine Sprache, das ist eine Blutgrätsche für die Ohren. Wieso lästern immer alle über die Sachsen? Die kann man wenigstens verstehen. Aber gut, ich versteige mich hier schon wieder. Sorry.
Wir haben uns daher wieder in den Bergen versteckt und werfen mit Steinen auf die Schwaben und Badenser. Aber im Mittelmeer gebadet haben wir trotzdem schon (außer Henri, der hatte Angst vor den Wellen – man glaubt es kaum).
Klara geht im Meer baden

Henri erholt sich vom Buddeln

Au revoir
vous Anne, Klara, Henri et Basti.
(PS: Dank der überragenden Technik gibt es vorerst noch keine Fotos. Der Transponster schrie irgendwas von "Scheiß Internet!" und kündigte. Wir reichen das später nach.
PPS: Hat jetzt doch geklappt. Windows 10 hat sich zum ersten Mal als zickig erwiesen. Blöde IT!)

Hier noch ein paar allgemeine Beobachtungen übers Camping:

Scheinbar gibt es im Bereich des Campingplatzbetriebs Kostentreiber, die für uns Normalsterbliche nicht sofort nachvollziehbar sind. So wunderten wir uns bereits im Westen Deutschlands, dass bei den Spülbecken für das Geschirr keine Stöpsel vorhanden sind. D.h. wenn man selbst keine Abwaschschüssel o.ä. besitzt, muss man halt das Wasser laufen lassen. Was wiederum einer Ironie nicht entbehrt, wenn über dem Waschbecken zum Wassersparen und Umweltschützen aufgefordert wird. Ja, dann legt doch halt ein paar blöde Stöpsel bereit, ihr Deppen!

Aber da hört es ja nicht auf. In Frankreich gab es dann auf einmal keine Klobrillen mehr. D.h. man sitzt auf der blanken Keramik. Kann man jetzt zu stehen wie man will. Vielleicht gab es zu viele Fälle von Zeitung lesenden Klogängern, die für meilenweite Schlangen gesorgt hatten. Und um dem einen Riegel vorzuschieben, machen die Franzosen das Örtchen halt ungemütlich. Glaubt ihr nicht? Naja, sie haben auch oft noch diese Löcher im Boden, die manch einer noch von italienischen Autobahntoiletten kennt. Und da drauf kannste dann echt keine Zeitung mehr lesen.

Der dritte offensichtlich große Kostentreiber ist das Klopapier. Auch dieses wird in Frankreich sehr häufig eingespart. Hier gilt die Regel „Bring your own“. Blöd, wenn einem das erst nach dem Geschäft bewusst wird. Der witzige Nebeneffekt sind mit Klopapier bewaffnete Camper, denen man immer am liebsten hinterherrufen möchte „Ich weiß ja, was du vorhast!“.

Packt also immer einen Stöpsel, einen Klodeckel und genügend Papier ein, wenn es nach Frankreich geht. (PS: Falls also jemand da draußen in nächster Zeit seinen Master in BWL machen möchte, schlage ich hiermit schon mal eine Kosten-Nutzen-Analyse für Sanitärartikel im Bereich der Campingplatzwirtschaft in Frankreich vor. Gerne stelle ich mich für den Praxisteil zur Verfügung.)

Mittwoch, 24. Mai 2017

Ab ins Ausland

Drei Wochen haben wir benötigt, um uns durch Deutschland zu wurschteln. Wir hatten nicht erwartet, so lange zu brauchen, aber auf dem Weg gab es doch zu vieles zu entdecken. Und so vieles haben links liegen lassen und für den Rückweg eingeplant. Am Ende haben wir für das Ausland gar keine Zeit mehr.

Nun haben wir es aber doch geschafft. Am 20.05. übertraten (überfuhren) wir die Landesgrenze Richtung Luxemburg. Unser Wissensstand über dieses kleine Land war mehr als dürftig. Es ist klein, es liegt neben Deutschland irgendwo unter Belgien, es verliert beim Fußball immer hoch, es hat mit der EU zu tun. Das war es größtenteils. Ein Quick-Check bei Wikipedia ergab noch, dass es sich um das letzte Großherzogtum der Welt handelt (was auch immer das bedeutet – Politikwissenschaftler bitte vortreten), dass es früher zum Deutschen Bund (Vorläufer des Deutschen Reiches) gehörte, dass es danach lieber selbstständig wurde, anstatt an die Franzosen verkauft zu werden sowie dass es im Nordosten mit der „Luxemburgischen Schweiz“ eine ganz schöne Landschaft gibt.



Unsere Kraftfahrerin

So kann man doch übernachten



Und so steuerten wir nach dem Grenzübertritt auch diese Region als erstes an. Zumal sich dort auch das Schloss Beaufort befand. Dieses wurde gegen 1150 errichtet und ist damit fast ein Jahrhundert älter als Berlin. Im 19. Jahrhundert ging es aber mit dem Schloss abwärts, sodass es heute nur noch eine Ruine, wenn auch gut erhalten, ist. Und in dieser Ruine lässt es sich ganz prima herumtoben; Henri amüsierte sich zumindest prächtig beim Erforschen von verwinkelten Gängen und Kammern sowie beim Besteigen der supersteilen Wendeltreppe zum Burgturm (sehr zum Leidwesen von Anne).



Chateau Beaufort

Henri musste im Kerker bleiben


Aber auch optisch weiß die Luxemburgische Schweiz zu gefallen: Die Straßen schlängeln sich über grüne Hügel, auf denen Kühe grasen. Der Verkehr ist relativ entspannt. Kleine Bäche graben sich entlang an steilen Felsen voller Moos und Wald. Irgendwie ein bisschen wie die Nordinsel von Neuseeland. Und mittendrin liegt das Müllerthal mit dem „Schiessentümpel“: Ein kleiner Wasserfall, wo wir mal wieder ein bisschen mit der Kamera und deren Belichtungseffekt spielen konnten. Schön, schön, schön.



Die Luxemburgische Schweiz


Der Schiessentümpel


Die Stadt Luxemburg ließen wir links liegen, weil das mit dem großen Wohnmobil nicht so viel Spaß macht. Aber dafür machten wir noch einmal Halt an einem geschichtlich besonderen Ort, nämlich Schengen. Dem dort unterzeichneten und dementsprechend nach dem Ort benannten Abkommen ist es zu verdanken, dass wir heute innerhalb Europas größtenteils ohne Grenzkontrollen reisen können. Um zu unterstreichen, was für ein Kontrast dieser Zustand zur früheren Zeit bildet, wurden auch zwei Restteile der Berliner Mauer dort aufgestellt. Ich will hier nicht großartig politisch werden, aber es sind solche Errungenschaften, die mich persönlich immer an die EU glauben lassen anstatt irgendwelchen rückwärtsgewandten Nationalisten nachzurennen, die sich lieber in ihrem eigenen Land einigeln wollen.



Europaplatz in Schengen

Unser Schloss am Europadenkmal


Und da der Grenzübergang so einfach klappt, waren wir auch schwuppdiwupp schon in Frankreich. Und hier trafen wir wieder einmal auf die Mosel (bzw. Moselle, wie sie hier heißt), welche sich wie ein roter Faden durch unsere letzten beiden Reisewochen zu ziehen scheint (sie bildet ja auch den Grenzfluss zwischen Luxemburg und Deutschland). An jener haben wir erneut unser Lager aufgeschlagen in dem Ort Pont-á-Mousson in der Region Lorraine bzw. auf deutsch: Lothringen. Der Ort sieht zumindest in seiner Altstadt schon sehr klischeemäßig nach Frankreich aus bzw. nach dem Frankreich, was immer als Kulisse für Filme aus dem 2. Weltkrieg genutzt wird (die ganze Zeit habe ich darauf gewartet, dass Tom Hanks und Matt Damon in Uniform um die Ecke gelaufen kommen)... man muss allerdings die Baustelle und das Beachvolleyballfeld auf dem Marktplatz ausklammern. :-)



Pont-à.Mousson


Jedenfalls gefiel es uns so gut, dass wir einen Ruhetag einlegten und heute einfach mal die Beine baumeln lassen. Vor uns befindet sich der Jachthafen (eigentlich fies, den Reichtum der anderen anglotzen zu müssen, aber schön sieht es trotzdem aus), über uns scheint die Sonne, das Brot von der Bäckerei schmeckt ganz manifique und überhaupt soll man sich nicht stressen.

Insofern: Habt euch lieb und überlasst den anderen das Aufregen.

Peace, eure Blumenkinder.




PS: Eine kleine Anekdote haben wir dann doch noch. Mal wieder sind wir auf eine japanische/chinesische (?) Reisegruppe getroffen. Solche Begegnungen haben immer einen amüsanten Anstrich, weil ja Asiaten (jaja, ist zu pauschal, aber ihr wisst, was ich meine) alles und jeden fotografieren und bestaunen müssen. Ganz besonders ein kleiner weißer Dreikäsehoch, der an ihnen vorbeiläuft, erregt schnell das Interesse. Und da Asiaten in Bezug auf sowas auch eine etwas andere (bzw. keine) Zurückhaltung haben, mussten sie den Kleinen erst einmal in Beschlag nehmen. D.h. sie nahmen ihn ungefragt fürs Foto auf den Arm. Naja, wir sind das ja zum Glück für die Reisegruppe schon von unserer ersten Tour gewohnt. Wahrscheinlich hängt Henri irgendwo im Ostasiatischen Raum als Model für Babyzeugs herum und wir wissen gar nix davon.