Sonntag, 13. Februar 2011

Proletarier aller Länder...

Fließbandarbeit erscheint in der heutigen Zeit, wo die Leute Wirtschaftsassistent, Softwarebetreuer, Key Account Manager, Marketing-Manager, Teamassistentin, Logopäde, Bio-Informatiker oder Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste sind, wie ein Relikt aus den Anfängen des vorherigen Jahrhunderts. Beim Fließband denkt man an Charly Chaplin in „Moderne Zeiten“ oder an die daheimgebliebenen Frauen, die für ihre Männer an der Front die Patronen zusammennieten („Die ist für Henry, damit er den Krautz ordentlich einheizen kann!“). In den 70ern hatte auch noch der Mann von Susi Sorglos bei VW am Fließband gearbeitet und war damit sehr glücklich, weil es bunte Schraubenzieher gab (ein Bier an denjenigen, der als erster den Komiker errät).

Bei der „Sendung mit der Maus“ werden ja hin und wieder mal Fließbänder gezeigt („Woher kommt eigentlich die Seife/der Ketchup/das Autoradio usw.?“). Aber seht ihr da irgendwo Menschen? Okay, vielleicht die Quoten-Omi in der Verpackungsabteilung, die halt vom Kündigungsschutz gerettet wurde. Aber sonst doch nur Roboter, weil die schneller arbeiten und die Personalkosten nicht belasten (Controlling-Abteilung sei Dank!).

Aber sonst ist das Fließband doch so out wie Feinrippschlüpper. Richtig? Falsch! Es lebt immer noch. Im Gegenteil – es ist quicklebendig und ein richtig kleines fieses Arschloch! Jawohl, das Fließband ist ein Arschlochkind. Es nervt! Es ist ihm egal, ob du müde bist, ob dir der Rücken wehtut, ob du mal aufs Klo musst. Es will deine ganze Aufmerksamkeit. Jetzt! Sofort! Wie so eine kleine nervige Rotzgöre. Wenn es einen Namen hätte, hieße es Justin. Und Justin will einfach nicht stillsitzen, sondern ist immer in Bewegung.

Aber damit nicht genug. Es ist auch noch hinterhältig. Es gibt dir nämlich das Gefühl, dass DU dich bewegst, wenn du lange genug darauf starrst. Hinterhältige nervige Mistgöre. Das qualifiziert das Fließband eigentlich für einen Doppelnamen: Justin-Luca, dass durchtriebene Arschlochkind von nebenan! Ha! Aber es kann ja nix dafür. Seine Eltern sind wahrscheinlich Wirtschaftsassistent, Softwarebetreuer, Key Account Manager, Marketing-Manager, Teamassistentin, Logopäde, Bio-Informatiker oder Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste. ;-)

Warum erzählen wir euch das alles? Weil wir jetzt Fließbandarbeiter sind. Jawohl, es lebe das Proletariat! Und darüber hinaus sind wir auch noch Nachtschichtler. (Wo ist der Parteischein von der SPD?) Unser neuer Arbeitgeber ist die SANFORD Muschelfabrik in dem kleinen idyllischen Örtchen Havelock. Dort arbeiten wir montags bis freitags in den späten Abend- und frühen Morgenstunden (16.30 bis 2.00 Uhr) am Fließband und sortieren Muscheln. Frei nach Aschenputtel: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Damit wir vor und nach der Arbeit auch ordentlich entspannen können, haben wir uns mal wieder (d.h. zum ersten Mal, seit wir Auckland verlassen haben) in ein Hostel einquartiert. Die wirklich sehr süße und von lieben Menschen betriebene „Blue Moon Lodge“ ist für die nächsten Wochen unser Zuhause. Wir genießen unsere Zeit dort sehr, da zum Hostel auch zwei kleine süße Kinder gehören, Curtis (2 Monate) und Jack (2 Jahre), die wirklich herzallerliebst sind.

Aber auch auf Arbeit stellt sich ein heimisches Klima ein, denn wir wurden von einigen Kollegen schon zum Um-die-Häsuer-ziehen und Barbecue eingeladen. Im Gegenzug haben wir ihnen das deutsche Kartenspiel „Arschloch“ (das heißt wirklich so!) beigebracht. So macht Arbeit Spaß! Aber keine Sorge – da uns Muscheln nicht schmecken, wollen wir in dem Gewerbe nicht wirklich alt werden.



Das Städtchen Havelock (bei Ebbe)


Havelock liegt am malerischen Pelorus Sound


Wir vorm Pelorus Sound


Wir vor unserer neuen Arbeitsstätte


Es gibt nicht nur Muscheln im Wasser


Unser neues Heim


Anne mit Curtis und Jack


Havelock "Downtown"

Kommentare:

  1. PS: Mal kurz was ganz anderes. 1:0 - in your face alte Tante!!!

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  2. Der gesuchte Komiker ist Otto!
    Her mit dem Bier Hausen!

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  3. Wenn es euch am Fließband zu anstrengend wird, dann macht doch eifach mal ne Woche Urlaub. Am besten in Neuseeland...ich hab gehört, da soll es sehr schön sein! :-)

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  4. 1. Ihr seid unerhört braun
    2. Der Sound sieht toll aus
    3. Die Kinder stehen dir Anne
    4. Euren "PS-Einwand" versteh ich nicht
    5. Heiratet endlich
    6. Ich hör grad das tolle neue Album von Adele

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  5. @nicoletta:
    1. vielen dank, voll toll, ne?
    2. ist er auch
    3. nochmal danke! ich werd die supermami :-)
    4. basti war verwirrt und meinte natürlich 2:1 für union gegen hertha!
    5. willst du wirklich nicht dabei sein???
    6. ich bin neidisch! will auch.

    @nico:
    bier ist unterwegs und kommt mitte oktober an!

    @caro:
    ja, haben wir auch schon gehört!

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  6. Punkt 3 kann ich mich nur anschließen, und Annes Antwort lässt mich ja hoffen. Ihr seht so richtig aus, als ob Ihr zusammengehört. Gibt es auch ein Bild mit Basti-Papa und den Kleinen? Dann gibt es bald die Supermami und den Superpapi ...?? Und ich werd dann die Superomi, juchhu!!!!
    Aber jetzt sortiert erstmal brav Eure Muscheln, Ihr fleißigen Fließbandarbeiter. Solche Erfahrungen an der Proletarierfront sollen für Informatiker und Manager von bleibendem Wert fürs Leben sein, hihi.
    Macht's gut, Ihr Fleißbienchen, lasst Euch umarmen von La Mama und dem Rest der Familie

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  7. Es ist doch erstaunlich mit welchen Mühsal die Versorgung und das Überleben gesichert werden muss. Steht so unangenehmer weise gar nicht in Bild und anderen Soaps (wie auch immer).
    Ansonsten sieht Anne mit den Kindern auf dem Bild gut aus, schaun mer mal.

    Bleibt Gesund der Vaddaa

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  8. Ich kann mich La Mama nur anschließen, ein paar Wochen Proletarierfront haben noch keinem geschadet und man erinnert sich ein Leben lang daran. Musste mal Diarähmchen in Schachteln packen, Rotkohl in Gläser pressen usw. - und jetzt arbeite ich an der Controllerfront und spare Personalkosten :-)
    Aber auch der Gedanke an Hochzeit und Kinder drängt sich immer mehr auf, wenn man euch beide so glücklich und strahlend sieht. Neuseeland tut euch wirklich gut.
    Weiterhin alles Liebe und gutes Gelingen (wobei auch immer)
    Heidi

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  9. hallo Ihr Kiwis, vielen Dank für Eure informativen Zeilen.Ih seht so schön braun aus, gar nicht wie Muschelsortierer eher wie -sucher.Alles Gute weiterhin, liebe Grüße für Euch.

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  10. Hallo ihr zwei,
    auf diesem Weg ganz herzlichen Dank für eure liebe Karte. Wir haben uns sehr gefreut und ihr einen Ehrenplatz am Spiegel im Flur gegeben.
    Alles Liebe Heidi und Detlef

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  11. Hallo Ihr Kiwis. hier bin ich wieder- die anonyme Tante Gabi, dass ging so schnell, daß ich vergessen habe meinen Namen einzugeben.
    Jetzt zeige ich gerade Thomas Eure Seite, prima- macht weiter so.Alle Liebe bis bald.

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  12. ..Arbeit schändet eben nicht..-jetzt wisst ihr eben, warum ihr studiert habt, Die Umgebung und das Wetter sind doch eine wunderschöne Entschädigung für die nächtlichen Mühen- oder?-Das Bild von der KIWI-Übermutter (!) sieht ja schon ganz gut aus...-fangt aber lieber erstmal mit einem Kind an, sonst wird der Rückflug so teuer... hiiiiii-wir freuen uns schon riesig, das alles mal zu sehen-noch 28 Tage...dann geht die dicke Luzi aber ab :-))) Euch weiterhin schöne Sommertage!!!!
    Liebe Grüße auch von Dresi Mutti,von Oma, Opa;Kay und dem Rest der Familie

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  13. Liebe Grüße aus dem hohen Norden- von Hannes, Maria und der Ostsee! Wir genießen unsere Semesterferien :-).

    Tschüssikowski

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  14. Hallo Ihr Beiden,
    das Erdbeeben in Christchurch hat uns alle in Angst und Schrecken versetzt,auf diesem Wege sei allen Dank gesagt, die sich bei uns gemeldet haben, und sich sehr rührend nach dem Wohlbefinden von Euch beiden erkundigten!!!

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  15. Da stimme ich Papa Jon zu: Vielen Dank für eure besorgten Nachrichten und Erkundigungen nach unserem Wohlbefinden. Auf diesem Wege noch einmal: Uns gehts es gut. Wir sind ein paar Stunden paar Stunden von Christchurch entfernt. Wir haben uns gerade mit jemandem aus dem Ort unterhalten und er erzählte, dass noch immer Menschen unter Trümmern eingeschlossen sind, es aber zu gefährlich ist, sie zu befreien...

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  16. boah, ihr seidt so braun! ihr verführt mich dazu, mich mal ne runde unterm assi-toaster zu legen, sonst glaubt uns doch keiner mehr (wenn ihr dann wiederkommt), dass wir verwandt sind. in soner muschelfabrik fallen doch bestimmt ein paar muschelschalen ab? könntet ihr mir vielleicht eins zwei mitbringen, wenns das gepäck erlaubt? würde mich sehr sehr freuen.
    die mamarolle spielt anne wirklich vorzüglich...
    liebste grüße
    die (hoffentloch baldige tante) tine

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