Dienstag, 23. August 2011

Wohnungslos

So, da wären wir mal wieder. Mit ein bisschen mehr Geld – erfreulich. Ohne Van – gar nicht mal so erfreulich. Nee, eigentlich eher traurig, denn nach fast zehn Monaten fiel es uns doch verdammt schwer, unserem liebgewonnenen Heim „Adieu“ zu sagen. Chanendela war uns über die ganze Zeit ein treuer und vor allem zuverlässiger Begleiter. Es ist schon erstaunlich, wie heimisch wir uns auf diesen gerade mal drei bis vier Quadratmetern Raum fühlten. Und es ebenso erstaunlich, wie viel Zeug in so ein Auto passt. Unglaublich viel Zeug! Zuviel Zeug, um es auf vier Beinen durch die Welt zu tragen, weswegen sich inzwischen zwei weitere große Pakete auf dem Weg nach Deutschland befinden.

Okay, nun wollen wir aber ein bisschen ins Detail gehen. Letzten Dienstag verabschiedeten wir uns widerwillig von der Farm und traten den lange hinausgezögerten aber leider unvermeidlichen Weg nach Auckland an. Wir hatten im Vorfeld bereits Werbezettel für unseren Van entworfen, damit wir diese in der Stadt und an den Fensterscheiben des Autos aufhängen können, sowie im Internet die Hostels in der Innenstadt herausgesucht. In Auckland begannen wir dann sofort mit dem „Plakatieren“ in Hostels, Internetcafés oder Supermärkten – also überall dort, wo sich Backpacker am wahrscheinlichsten aufhalten würden. Diese Ochsentour durch die Innenstadt kann man getrost als „pain in the ass“ (wie der Kiwi so schön sagt) bezeichnen. Keine Ahnung, ob wir uns so schnell wieder an den Großstadtverkehr in Berlin gewöhnen können. Da wirste ja bekloppt inna Birne! Und zu Fuß ist es auch nicht viel besser (zur Erinnerung: die Stadt ist recht hügelig).

Jedenfalls waren wir mit unserer Werbetour eigentlich schon am Ende und wollten grad zu Freunden im Norden der Stadt aufbrechen, als uns zwei interessierte Touris anriefen. Kurzerhand vereinbarten wir ein Treffen zur Autobesichtigung. Die beiden waren deutsche Frischabiturienten (das war so natürlich nicht zu erwarten…) und seit knapp einer Woche in Neuseeland. Nach einer Besichtigung und kurzen Probefahrt gingen wir mit einem „Okay, wir denken darüber nach und melden uns morgen bei euch“ auseinander, was in unseren Ohren eigentlich schon fast wie „Hmm, naja, nee“ klang.

Aber morgen ist ja auch noch ein Tag, dachten wir uns und fuhren erst einmal unsere Freunde besuchen, bei denen wir großzügigerweise auch übernachten durften. Dafür nochmal ein großes liebes Dankeschön an euch, Krissi und Steve. Der nächste Tag sollte eigentlich wieder dem Plakatieren gewidmet sein, jedoch wurden unsere Pläne von den beiden Deutschen durchkreuzt. Man sei am Van interessiert und würde ihn gerne am späten Nachmittag zu einem befreundeten Mechaniker bringen, um nochmal die Tauglichkeit zu überprüfen. Ja, gerne doch!

Also legten wir die weiteren Werbeaktionen kurz mal auf Eis und spielten Touris. Wir fuhren auf den Sky Tower, der zwar etwas kleiner als der Berliner Fernsehturm ist, dafür aber seine Aussicht spektakulärer verkaufen kann (ja, daran hat damals im Osten wieder keener gedacht). So gibt es sowohl im Fahrstuhl als auch auf der Aussichtsplattform Glasscheiben im Boden, durch die man direkt die ca. 200 Meter nach unten gucken kann. Es kostete uns einiges an Überwindung, um über das Glas zu laufen, selbst wenn ein Schild darauf hinwies, dass das Glas genauso stabil wieder der Rest des Bodens sei. Wer es noch heftiger braucht, kann auch draußen angegurtet auf einer Freiluftplattform entlangspazieren oder an einer Art Bungeeseil vom Turm springen. Aber ein diplomatisches „Nicht für Geld und gute Worte springe ich irgendwo runter!!!“ von Basti hielt uns davon ab. Und weil wir uns schon so sehr auf unsere zukünftigen Einnahmen freuten, verbrannten wir in noch schnell ein bisschen Geld in den Shops der Innenstadt. Man braucht ja schließlich auch mal was zum Anziehen.

Schlussendlich trafen wir uns mit den beiden. Diese wollten wohl Nägel mit Köpfen machen und hatten bereits ihr Hostel verlassen und das Reisegepäck geschultert, sodass es kurz mal extrem eng im Auto wurde. Quer durch die Stadt ging es zum Mechaniker, den wir nach ein paar Minuten Suche (mit Hausnummern haben’s die Kiwis nicht so) auch gefunden haben. Der beschied dem Auto, dass es tipp topp sei (was auch sonst) und nach einer kleinen Schacherei, die den Kaufpreis von 3.500 auf 3.250 Dollar drückte (wir wollten ja nicht so sein) sowie einem hektischen Besuch beim AA (der neuseeländische ADAC) kurz vor Ladenschluss, um den Besitzer ändern zu lassen, gehörte Chandi dann nicht mehr uns.

Der Rest ist schnell erzählt. Am selben Abend fuhren wir auf einen Campground, wo die Jungs sich schon mal im Auto einschlafen konnten, während wir uns eine Kabine mieteten, um unser Zeug in den Rucksäcken (oder diversen Taschen) zu verstauen. Da am nächsten Tag kein Bus mehr nach Tokoroa fuhr, quartierten wir uns in der Innenstadt nochmal in einem Hostel ein, was uns immerhin Zeit gab a) noch mehr Souvenirs zu shoppen, b) noch mehr Souvenirs nach Hause zu schicken und c) den Rest ordentlich im Reisegepäck zu verstauen. Und dann, am vierten Tag verließen wir endlich wieder Auckland, um zurück aufs Land zu den Kühen, Katzen, Hunden, Schafen und Ziegen zu kommen. Puh!

Und hier sind wir nun und erleben jeden Tag die aufregendsten Dinge: Bereits schon zur Routine gewordene Kalbsgeburten, Kuh mit Herzattacke, Motorcross fahren über die Farm (Annes Hintern tut seit zwei Tagen weh), Trompetensessions mit Matt und und und…nicht zu vergessen: Kuscheln mit Billy, dem Ziegenbock (Darf man Ziegen eigentlich in Deutschland als Haustiere halten?). Wir haben uns den richtigen Ort ausgesucht, um noch einmal wunderschöne Tage vor der Abreise zu verbringen.

Nächste Woche am 31. August ist es soweit und wir fliegen, wenn keine Aschewolke dazwischen kommt, rüber auf den roten Kontinent. Sicherlich wird auch dies eine tolle Zeit und wir werden einige Abenteuer bestehen. Nachzulesen hier in diesem Blog. :-)

Alles Liebe, eure Kiwis



38 cm Glas und darunter 200 m Luft


Über den Dächern Aucklands


Schwindelgefühle


Da waren wir mal drauf... damals am Anfang.


Auto verkauft


Tschüss kleiner Chanendela!


Ghostbusters im Einsatz


Klettermax in der Melkanlage


Blick auf die Farm


Wir zusammen mit Matt und Billy


Dieses Kalb wurde Anne getauft.


Anne und Hauszicklein Billy

Kommentare:

  1. ui, sehr schön, dass das mit dem autoverkauf so prima geklappt hat. seid ihr denn mit dem preis zufrieden?
    ihr hattet doch auch so viele pläne für die nordinsel. habt ihr das schon gesehen oder habt ihr alles/einiges für eine kleine ziege und eine große farm "geopfert"? schon krass wie die zeit vergeht. gerade ward ihr selbst noch auf der suche nach einem autoschlafplatz und jetzt habt ihr ihn schon wieder weiterverkauft...

    wir wünschen euch auf jeden fall ganz fantastische letzte tage in neuseeland, die ihr auch genießen könnt und euch nicht durch abschiedslaune trüben lasst.

    seid geknutscht!

    AntwortenLöschen
  2. Wie cool, dass es alles so gut geklappt hat! Freu mich für euch... :-)

    Liebste Grüße und nächste Woche viel Spaß auf dem roten Kontinent

    AntwortenLöschen
  3. Freue mich, dass das mit dem Auto so reibungslos funktioniert hat und ihr schnell wieder aufs Land konntet. Na das wird ja was werden mit euch, zurück in der Stadt. Vielleicht sucht ihr euch ein Häuschen in den Weiten Brandenburgs? Da gibt es noch Höfe auf denen man auch Ziegen, Schafe und Hühner halten darf :-)
    Der Turm ist ja der Hammer. Anne, du siehst ziemlich ängstlich aus, auf der Galsscheibe. Selbst wenn sie garantiert hält bleibt doch ein komisches Gefühl. Mir reicht schon die Vorstellung...
    Nun genießt die letzte Woche noch mal so richtig und dann gehts ab, nach Australien. Nehmt euch bloß vor dem Getier in Acht.
    Erstmal einen guten Flug und meldet euch wieder, wenn ihr drüben seid, damit wir wissen, dass es euch gut geht.
    Liebe Grüße
    Heidi und Detlef

    AntwortenLöschen
  4. Och ihr Armen beiden... lasst Euch gesagt sein, ihr werdet auch ohne Chandi viel Spaß haben - und das is gar nich so leicht, den Kurzen mit nach OZ zu nehmen, mit dem ditch ans so on.... so is scho besser :-) Das Kiwi-Leben tut Euch sichtlich gut!!! Safe travels furtheron, kiwi cowboy&/-girl ;-))

    AntwortenLöschen
  5. Huhu!

    Was bei euch in ein paar Tagen passiert, passiert bei anderen das ganze Jahr nicht.
    ich freu mich für euch, dass alles so gut geklappt hat und ihr jetzt noch richtig schöne, stressfreie Tage habt.
    Auf diesen Fersehturm würde ich auch gern mal! ich finde das mit dem Glasboden echt ne tolle Idee. vielleicht schaffe ich das in deisem Leben ja noch...wenn nicht, dann halt im nächsten :-)
    Machts gut und bleibt gesund,
    eure Caro

    AntwortenLöschen
  6. bin ich die einzige, die wissen will, ob von dem Verkaufserlös noch was übrig ist, oder ob die Souvenirgeschäfte einen neuen Aufschwung erlebt haben :-)

    Anne, zählen die Fotos dieser Seite auch mit beim Rätsel? dann tippe ich unendlich mal zwei!

    Wir freuen uns schon auf die Fotoshow, wenn ihr wieder zurück seid. wir richten uns auf ein langes Wochenende ein, okay. Ansonsten freuen wir uns jetzt auf Fotos von der nächsten Insel.

    liebe Grüße
    Basti und Katja

    AntwortenLöschen