Sonntag, 19. April 2015

Old MacHausen has a farm...

Im besten Falle ist das Schönste, was man von einer Reise mit nach Hause bringt, neue Freunde, die man dann bei weiteren Reisen besuchen kann. Und so war es für uns natürlich ein ganz besonderes Gefühl, nach dreieinhalb Jahren ins kleine Nest Havelock zurückzukehren und uns dort auf die Spuren unseres damaligen Aufenthalts zu begeben.

Aber das war gar nicht so einfach. Erst wollten wir Shanes Mutter Brenda (Shane gehörte das Hostel, in dem wir damals wohnten) auf dem Weg vom French Pass Richtung Havelock besuchen. Das Problem war, dass wir nicht genau wussten, wo auf der 60 km langen Strecke sie wohnte. Also haben wir uns einfach durchgefragt. Und tatsächlich konnte uns in einem Tante-Emma-Laden der Betreiber desselben mit ihrer Adresse weiterhelfen. Leider fanden wir das Haus verschlossen vor.

Also weiter nach Havelock, um unseren alten Kumpel Dener (ein gebürtiger Brasilianer, der schon seit mehreren Jahren in NZ lebt) aufzustöbern. Aber der war auch nicht da. Grmpf! Na gut, dann halt zu unserem alten Hostel, um die beiden Besitzer Asha und Shane sowie ihre drei Kinder zu besuchen. Die wohnen aber gar nicht mehr beim Hostel sondern ein paar Querstraßen weiter, wie uns die Backpackerin, die z.Zt. das Hostel leitet sagen konnte. Also halt nochmal dorthin. Aber auch hier war niemand anzutreffen. Es schien, als ob uns das Osterwochenende einen Strich durch unsere Wiedersehenspläne machen wollte.

Etwas geknickt nisteten wir uns daraufhin im Campingplatz von Havelock ein und beschlossen, den Tag mit Fish'n'Chips vom lokalen Takeway-Laden zu beenden. Tja, und wie der Zufall es so wollte, traf Basti dann genau in diesem Takeway auf die zuvor gesuchte Familie. Da war die Überraschung natürlich groß, aber auch die Wiedersehensfreude. Der "kleine" Jack (immerhin inzwischen schon sechs Jahre alt) konnte sich sogar noch an uns erinnern. Und so wurde es dann noch ein schöner Nachmittag.

Wir verabredeten uns noch für den folgenden Morgen und konnten – Internet sei Dank – auch noch Dener aufspüren und uns ebenfall mit ihm für den Folgetag verabreden. So wurde es dann doch noch eine kleine Reise in die Vergangenheit. Zudem konnten wir noch eine kleine persönliche Tradition fortsetzen und Katjas Schuhe, die sie nicht mehr mit nach Hause nehmen wollte, am selben Zaun aufhängen, wo auch schon seit damals Anne damalige Latschen rumbaumeln.

Und damit war das Kapitel Südinsel auch schon fast wieder beendet. Die Nacht verbrachten wir in Picton in der Nähe des Fährhafens und konnten dank klarem Himmels auch noch ein kleines Naturspektakel beobachten, nämlich eine sogenannte totale Mondfinsternis. Bei dieser liegt der Vollmond vollständig im Schatten der Erde und leuchtet aufgrund der Lichtbrechung rot, weswegen das im Englischen auf "red moon" oder im Deutschen "Blutmond" heißt. Dafür sind wir alten Hobby-Astronomen sogar mitten in der Nacht um 1:30 Uhr aufgestanden.

Und schwups waren wir wieder im Norden. Hier wollte Basti nochmal einen Abstecher zum Lake Waikaremoana machen, weil wir diesem bei unserem ersten Besuch leider viel zu wenig Zeit gewidmet hatten. Aber ach, das Wetter... nachdem wir auf der Südinsel fast schon wieder sommerliche Temperaturen hatten, gab es dann im Norden Herbst satt. So schön mit Regen, Wind und niedrigen Temperaturen. Bäh! Das war natürlich nicht so dolle. Zwar konnten noch ein bisschen die schöne Natur am Lake Waikaremoana genießen, entschlossen uns dann aber am nächsten Tag doch zur Abfahrt.

Und hier mal ein kleiner Tipp für all jene Autofahrer, die ihre Nerven und ihr Auto mal richtig schön einsauen wollen: Einfach den State Highway 38 vom Lake Waikaremoana Richtung Roturua bei Regenwetter entlang fahren. Die 105 km Schotterpiste lassen sich bei durchschnittlich 40 Stundenkilometern sehr ausführlich genießen, die Aussicht ist gerade zu fantastisch (Regenwald links und rechts bzw. Nebel direkt vor der Nase), die Streckenführung optimal (180°-Kurven ohne Ende) und nur geringfügiger Gegenverkehr (riesige Laster) auf ausladenden Straßen (ca. 2 Meter). Danach sah unser Van aus wie nach einer Rallye und Basti wollte partout kein Lenkrad mehr anfassen.

Daher nutzten wir die natürlichen heißen Quellen in der nähe von Roturua, um uns mal ein bisschen Spa-Feeling zu gönnen. Wenn es von oben regnet, ist ein 39 °C warmer Pool genau das richtige. Auch Henri gefiel das sichtlich. (Nicole/Judith und Annes Eltern müssten die Pools auch noch von ihren Besuchen kennen.)

Und danach hatten wir vom Autofahren erst einmal die Nase voll und nisteten uns bei unserem Kumpel Matt und seiner Freundin Emma auf der Kuhfarm ein, wo wir noch immer sind. Das Timing war perfekt, denn genau an dem Tag regnete es eimerweise. Brrr! Da wärmt man sich doch lieber drinnen ein bisschen am Feuer. Und als das Wetter besser wurde, konnten wir mit Matt ein bisschen die Farm erkunden, die Kälber füttern, die Kühe melken, Tontauben und/oder richtige Vögel schießen... was man halt auf einer Farm so machen kann. Matt nahm Basti sogar mit auf die Jagd und die beiden kamen erfolgreich mit Bambi zurück aus dem Wald. Hmm... lecker!

Emma war in der Zwischenzeit vollkommen von Henri verzaubert und er wird ihr bestimmt sehr fehlen. Wenigstens konnte sie ihm sein erstes englisches Wort beibringen: "Tickle" (auf deutsch: kitzeln). Wir werden die beiden auch dolle vermissen, denn die Zeit hier war wieder einmal wunderbar und viel zu schnell vorbei.

Morgen treten wir langsam unsere Heimreise an, verbringen noch zwei Tage in Auckland und dann geht es auch schon ab nach Tasmanien. Von dort werdet ihr wieder von uns hören bzw. lesen.

PS: Das Internet ist grad zickig, weswegen das Hochladen der Fotos nicht richtig klappt. Daher gibt es erstmal nur eins:


Freitag, 3. April 2015

Die Tage am Meer

Och nö, schon April? Wer hat denn da an der Uhr gedreht? Aber noch haben wir ja ein paar Tage in "Enzed", die wir natürlich nutzen. Zuletzt hatten wir euch aus Murchison geschrieben. Kurz darauf starteten wir unsere Tour hoch zur nördlichen Spitze der Südinsel. Das war ein ganz schöner Ritt, denn dazwischen liegen einige hügelige Abschnitte, die serpentinenartig bewzungen werden mussten.

Aber dafür hatten wir mal wieder Unterhaltung der anderen Art auf dem Weg. In einem kleinen Nest auf der Strecke hatten wir kurz Rast gemacht, um Henri zu füttern und einen weiteren Cache zu finden. Und auf einmal knattert es ganz gewaltig und eine riesige Gruppe an Motorradfahrern macht sich auf dem Parkplatz gegenüber breit. Kurz darauf wimmelte es dann auch nur so von Polizeiautos. Und wir mittendrin – oh, oh... Wir traten dann lieber schnell die Flucht an – kein Bock auf "Colateral damage". :-)

Komischerweise folgte uns dann aber die nächsten 20 Kilometer bis Motueka ein Polizeiauto. Ob die gesehen hatten, dass Anne heimlich Handyfotos geknipst hat? Naja, jedenfalls ging es dann weiter durch Motueka (inklusive Stop an der "European Bakery", um uns mit ordentlichem Brot einzudecken), die Schlängelpiste rüber über den Takaka Hill, der komplett in Wolken lag (weswegen wir eine zeitlang mit Sichtweiten unter 10 Metern voranschleichen mussten), bis wir schließlich nach erschöpfenden Stunden am Steuer in Collingwood ankamen.

Collingwood ist ein kleines Örtchen im Norden der Golden Bay mit ca. 150 Einwohnern. Heutzutage liegt es ein bisschen abseits vom Schuss und es kommen hauptsächlich Touris vorbei, die von dort eine der Farewell-Spit-Touren starten (so wie wir). Früher steppte hier aber mächtig der Bär, als Gold und andere Mineralien in der Gegend abgebaut wurden und tausende an Schürfern ihr Glück suchten. Kurzzeitg kam Collingwood sogar als Hauptstadt Neuseelands in Frage. Leider brannte die Stadt aber gleich dreimal zwischen 1900 und heute komplett nieder – also besser keine glimmende Kippe dort durch die Gegend schnipsen.

Normalerweise scheint dort oben sehr, sehr oft die Sonne. Nur als wir ankamen, muss Klärchen wohl einen Behördentag eingelegt haben, weil alle Berge drumherum komplett in Wolken hingen (tatsächlich haben wir erst am nächsten Tag realisiert, dass da überhaupt Berge sind) und ein paar Sturzbäche herunterregneten. Vom Wetter und der Fahrt zermürbt sowie mit einem etwas verrotztem Baby entschließen wir uns daher für etwas Luxus und mieteten uns für drei Nächte in ein Motel ein. Vier Wände! Ein Dach!! Ein Bett!!! Ein Fernseher!!!! Boah, Reizüberflutung!

Und wir trafen die richtige Entscheidung. Der freie Tag half bei der Regeneration und Henri freute sich über einen Tobetag auf der Decke. Außerdem wurden wir am Folgetag mit Kaiserwetter belohnt und konnten so auch endlich die Farewell-Spit-Tour starten. Der Farewell Spit ist eine ca. 25 Kilonmeter lange aber nur ein bis zwei Kilometer breite Landzunge, die vorrangig aus Sandstrand besteht. Trotz dieser Tatsache sind hier viele Tiere zuhause, u.a. eine Vogelart, die nonstop jedes Jahr von Alaska nach Neuseeland fliegt (also mal locker über 10.000 Kilometer). Der stetige Wind sorgt dafür, dass der Sand ständig wandert und die Landschaft täglich anders aussieht. Sehr beeindruckend.

Ausreichend gestärkt ging es wieder zurück über den Takaka Hill (diesmal wolkenfrei), Motueka (inklusive frischem Brot), Nelson (alte Erinnerungen an unsere Mädels Larri und Selli wurden wach, aber der berühmte Freedom Camping Platz wurde inzwischen leider geschlossen) Richtung Osten, denn wir müssen ja bald mal wieder rüber auf die Nordinsel. Aber vorher mussten wir noch einmal zum French Pass.

Der French Pass bezeichnet eine Meerenge in den Marlborough Sounds zwischen dem Festland und D'Urville Island. Die Namen implizieren schon, dass es sich hier ebenfalls um Relikte des damaligen französischen Forschungs- und Kolionaldrangs handelt. Und wie schon bei der Banks Peninsula hatten die Franzosen ein Näschen für wunderschöne Landschaften. Bereits der 60 km weite Weg zum Campground ist die Reise wert. Es geht hoch, runter, links, rechts über enge Straßen bzw. Schotterpisten und teilweise neben dem Auto gleich steil in die Tiefe (natürlich OHNE Leitplanke) – aber die Aussicht ist es einfach wert.

Und am Ende des Weges wartete eine kleine Kolonie zahmer Stachelrochen auf uns, die tagein und tagaus den Strand hinunterpatrollieren. Dazu ein Standplatz direkt am Strand, Sonne und blauer Himmel tagsüber, Vollmond und Sterne nachts und die Idylle ist perfekt. Umso schwerer viel uns heute morgen der Abschied von diesem kleinen Paradies, um Richtung Havelock aufzubrechen, wo wir derzeit übernachten.

Bald geht's wieder hoch in den Norden.
Bis dahin
Bannri.


Summer time!

Spiegeleffekt in Collingwood

"Entschuldigung, wo geht's hier zum Wasser?"

Leuchtturm am Farewell Spit - extra auf Stelzen wegen des vielen Windes

Das passiert, wenn Wale keine Richtungsschilder lesen können...

Unser Tour-Bus inmitten der Dünen

Cape Farewell

"Bitte beim Baden nicht auf die Rochen treten! Danke."

Sonnenaufgang am French Pass

Kuckuck!

Dunkel war's, der Mond schien helle...

Isse nicht schön... die Aussicht. :-)

Freitag, 27. März 2015

Deine Welt sind die Ber-hergeee!

Boah Kinders, da liegen ja aufregende Tage hinter uns. Wir hatten euch das letzte Mal aus Arrowtown geschrieben, einem kleinen ehemaligen Goldgräberstädtchen unweit von Queenstown. Unseren dortigen Ruhetag sowie die Tatsache, dass wir mal wieder so ein Internet gefunden hatten, brachte Anne gleich auf eine neue Idee: Lass uns doch hier mal geocachen. „Wat'n ditte?!“ werdet ihr euch fragen.

Nun, Geocaching ist sowas wie moderne Schnitzeljagd mit GPS und Handy. Man bekommt eine Koordinate, an der ein Logbuch versteckt ist, findet dies und kann sich dann dort ins Logbuch eintragen. Und damit das ganze auch noch digital sichtbar wird, kann man seinen Fund auch im Internet vermerken. Ist eine ganz witzige Sache, weil man dadurch animiert wird, raus zu gehen und Orte mit anderen Augen zu erkunden.

Und in NZ jibbet tonnenweise Caches. Gleich in Arrowtown haben wir davon drei Stück gefunden und als schönen Nebeneffekt haben wir dadurch den Ort erkundet, der wirklich sehr schön ist mit seinen alten Gebäuden, die man sich auch in einer alten Western-Stadt vorstellt. Noch dazu gab es viele Geschäfte, die besonders Anne zu juchzen brachten (Stoff- und Süßigkeitenladen).

Goldgräber-Städtchen Arrowtown

Anne beim Geocachen

Weiter ging es zu den großen Gletscherseen. Hier hofften wir auf gutes Wetter, weil man dann bei Windstille auf der spiegelglatten Oberfläche unglaublich grandiose Fotos zustande bekommt. Aber leider hatten wir am Lake Dunstan und Wanaka damit Pech, denn vielmehr sorgte der kräftige Wind dafür, dass ein Wellengang wie am Meer herrschte. Also bezogen wir am Lake Wanaka unser Lager und hofften auf blauen Himmel am Folgetag.


Erkennt ihr den River Anduin aus Herr der Ringe?

Lake Wanaka

Abendessen

Daraus wurde leider auch nix. Naja, man kann nicht immer Glück haben. Wir vertrieben uns die Zeit damit, weitere Caches zu suchen, eine Anhalterin aus Deutschland mitzunehmen und eine beschwerliche Wanderung zum Diamond Lake zu unternehmen. Dafür wurden wir dort mit einem tollen Ausblick und (unfreiwilliger) Unterhaltung belohnt, denn einem anderen Wanderer fiel beim Lookout doch tatsächlich sein Smartphone den Abhang hinunter. Aber tatsächlich konnte er es 50 Meter weiter unten im tiefsten Busch wiederfinden und es hatte „nur“ ein kaputtes Display. Henri hatte derweil mal wieder mehrere Mädels zum Schmachten gebracht, die ebenfalls am Lookout Rast gemacht hatten. Der Junge wird mal zum großen Herzensbrecher! Bis dahin sollten wir ihn an Singlemänner vermieten, denn mit ihm im Arm wird man garantiert von den Mädels angequatscht. :-)

Lake Diamond von oben

Basti will es wissen - Kann Henri fliegen?

Wir wollten dem Wetter (und unserem Spiegeleffektfoto) noch eine Chance geben und übernachteten bei unserem „guten, alten“ Lake Hawea, der uns schon damals in seinen Bann gezogen hatte. Am nächsten Morgen war es immer noch bewölkt, was Basti aber nicht davon abhielt, sich im See bei einem Bad frisch zu machen. Buah, kalt! Bei soviel Einsatz zeigte auch der Wettergott Gnade und schob die Wolken beiseite. Für einen perfekten Spiegeleffekt reichte es zwar nicht, aber trotzdem bescherte uns der Lake Hawea mal wieder ein Panorama wie von Bob Ross gemalt („...and here I add a little happy mountain – just for the fun of it.“). Anne möchte die Scheidung einreichen und den See heiraten.

Lake Hawea....schmacht!

Ausgebüchste Kuh

Die nächste Station war dann wieder absolutes Neuland für uns: Der Mount Cook. Um den größten Berg Neuseelands (sowie einem der größten Berge Ozeaniens/Polynesiens/Australiens – je nachdem, wie man die kontinentale Einteilung hier vornimmt) hatten wir bisher irgendwie immer einen Bogen gemacht. Auf dem Weg dorthin übernachten wir an einem Stausee in den Bergen, an dem Basti eine (halbe) Herausforderung von Katja endlich erfüllte und nackig baden ging – allerdings am helllichten Tag, mit Leuten in der Nähe und bei sehr kalten Temperaturen (er ging als Mann und kam als Junge wieder :-D ). Also: challenge accepted and won. ;-) Auch Anne traute sich (angezogen) ins Wasser, beließ es aufgrund der Wassertemperatur aber bei einem kurzen Taucher.

Lake Ruataniwha am Tage

Nachthimmel über Lake Ruataniwha

Lake Ruataniwha im Morgennebel

Und dann waren wir endlich am Mount Cook, ein wirklich majestätischer Berg: Schneebedeckt ragt er, links und rechts von kleineren Bergen flankiert, aus der flachen Ebene hervor und zu seinen Füßen ein blauer großer Gebirgssee, in dem sich ein Antlitz spiegelt. Und für uns zwei dekadente Hauptstädter gab es natürlich nur eine standesgemäße Art, um diesen Berg zu erkunden – aus der Luft! Als vorfristiges Geburtstagsgeschenk für Basti machten wir einen Helikopterflug, bei dem man den Berg, den Tasman Glacier (der größte Gletscher Neuseelands) sowie das umliegende Gebirge erkunden konnte. Zur Krönung gab es noch eine Schneelandung auf 2000 Metern Höhe.

Mount Cook

Mount Cook und Lake Tasman

Wir müssen zugeben, dass wir beim Flug nicht ganz so cool waren, denn so ein Helikopter wackelt ganz schön und ist dem Wind ziemlich ausgeliefert. Nur Henri nahm es super gelassen und machte erst mal ein kleines Nickerchen. Stahlharte Nerven, der Junge!

Henri ist ganz relaxed

Spaziergang in 2000 Metern Höhe

Auch sonst erweist sich Henri als sehr reisekompatibel. Beim Autofahren schläft er ruck-zuck ein oder erfreut sich am Anblick von Mama oder Papa oder seinem Spielzeug; er isst alles ohne zu Murren (selbst, wenn schon Stückchen drin sind) und beißt auch schon von der Banane ab; er lächelt einfach jeden fremden Menschen an; er findet das Auto total aufregend und findet praktisch im Sekundentakt einen neuen Gegenstand zum Spielen (Autoschlüssel, Wäscheklammern, Taschentücher, Schnüre, Besteck... nichts ist vor ihm sicher). Und bisher war er auch ein relativ guter Schläfer. Das hat sich aber leider etwas verschlechtert, seit die ersten Zähne durchstoßen.

Trekker fahren!

Nach Mt. Cook ging es zu einer weiteren Neuseeland-Touristenattraktion – dem Lake Tekapo. Wir müssen gestehen, dass wir den Hype nicht ganz so nachvollziehen können. Es ist ein schöner See (aber auch nicht schöner als die anderen – siehe oben) und die viel fotografierte Kirche davor ist zwar sehr ansehnlich, aber nun auch nicht DAS Monument. Vielleicht liegt es an dem Fakt, dass man am Lake Tekapo angeblich den besten Sternenhimmel in ganz Neuseeland sehen soll. Kann sein, können wir aber nix zu sagen, weil es bei uns bewölkt war.

Wenigstens der Sonnenaufgang am Lake Tekapo war toll.

Church of the Good Shepherd

Egal, weiter ging es zunächst wieder Richtung Osten und dann steil hoch nach Nordwesten über die Southern Alps rüber am Arthur's Pass bis zum Lake Brunner (die Strecke sind wir damals zusammen mit Judith und Nicole mit dem Zug gefahren), wo wir dann auf einmal wieder tolles Sommerwetter vorfanden. Das Wetter in diesem Land ist halt ein Mysterium für sich. Leider ist der Westen der Berge auch die Heimat von Neuseelands Raubvogel Nummer eins: Der Sandfly! Und diese Biester trieben uns am ansonsten wunderbar schönen Lake Brunner schier in den Wahnsinn, weswegen wir dort leider nicht länger verweilen konnten.

Arthur's Pass

Lake Brunner

Nun haben wir Zwischenstation in Murchison am Buller River gemacht und uns bei herrlichem Sonnenschein ein Bad im Fluss genehmigt. Morgen geht es weiter Richtung Norden zum Farewell Spit.

Bis dahin
eure Kiwis.

Freitag, 20. März 2015

Back in the south

Und schon wieder haben wir euch sträflich lange warten lassen. Das tut uns leid; es ist nicht so, dass ihr uns nicht am Herzen liegt, aber unsere Freizeit hier drüben wird von einem ca. 70 cm großen Knirps bestimmt, der nicht viel Raum für Logbucheinträge lässt. Ganz zu schweigen von solchen Aktivitäten wie Lesen – unsere mitgenommenen Bücher werden wohl nahezu unangetastet die Heimreise antreten.

Daher haben wir uns heute mal einen Ruhetag verordnet. Naja, der Hauptgrund ist viel eher die Tatsache, dass wir eine ganze Busladung voll an Wäsche haben, die mal dringend gereinigt werden muss. Und in der Zwischenzeit kann Henri ein bisschen auf der Wiese hin und her rollen, Anne kann Brot backen und ich schreibe ein bisschen Blog.

So, die Südinsel also. Lange Zeit war das ja damals quasi unsere Heimat, als wir in Havelock einem geregelten Arbeitsleben nachgingen. Trotzdem haben wir auch hier noch weiße Flecken auf der persönlichen NZ-Landkarte, die wir nun füllen möchte. Aber immer der Reihe nach...

Zunächst kam die Fährüberfahrt von Wellington nach Picton. Diese haben wir ja schon ein paar mal gemacht und daher Katja auch von der tollen Aussicht vorgeschwärmt, aber dieses Mal meinte es der Wettergott leider nicht gut mit uns und bescherte uns dicke graue Suppe und dazu etwas heftigeren Seegang, der das große Schiff doch ganz schön ins Schaukeln brachte. Da war an Aussicht leider nicht zu denken. Zu allem Überfluss konnten wir auch nicht den Hafen ansteuern, weil dort ein anderes Schiff aufgrund des Seegangs den Kai gerammt hatte und dieser zunächst repariert werden musste. So cruisten wir drei zusätzliche Stunden durch die Marlborough Sounds. Immerhin gab es vom Kapitän die Durchsage, dass es im Bordbistro als Entschädigung Fish'n'Chips for free gäbe, was eine kleine Stampede Richtung Futtertheke auslöste. Wie gut, dass wir uns fünf Minuten vorher bereits Essen gekauft hatten. Grmpf.

Schlussendlich kamen wir aber doch an. Das primäre Ziel für die beiden Mädels auf der Südinsel waren Wale und Delfine. Daher fragten wir gleich in Pcton nach, ob es dort Möglichkeiten gäbe. Diese gab es grundsätzlich schon, nur sollte das Wetter die nächsten Tage nicht so berauschend sein. Also weiter Richtung Kaikoura, um es dort zu versuchen. Das Nachtlager wurde in der White's Bay aufgeschlagen – eine wunderschöne Bucht, die eigentlich zum längeren Verweilen eingeladen hätte.


Regenbogen überm Rarangi Beach gleich neben der White's Bay

Aber wir hatten ja andere Ziele. In Kaikura waren alle Delfintouren leider ausgebucht, aber für das Whale Watching waren noch Plätze frei. Also besorgte sich Katja eine Karte für den nächsten morgen, wo wir sie dann auch beim Parkplatz ablieferten, alle ihre technischen Geräte im Auto ließen (damit die nicht ins Wasser fallen) und uns für den Vormittag verabschiedeten, um die Kaikoura Peninsula zu besichtigen.

Die Kaikoura Peninsula ist wirklich traumhaft schön, aber leider sehr windig, weswegen wir unsere Wanderung mit Henri etwas früher beendeten. Außerdem wollten wir uns noch mit unserer Freundin Sandra treffen, die kurzzeitig Annes/Henris Hebamme war und nun versucht, in NZ Fuß zu fassen. Wir hatten einen sehr schönen Nachmittag in einem leckeren Eis-/Kuchenladen. Dann mussten wir schon wieder Katja abholen. Also flugs zum Parkplatz vom Whale Watching-Hauptgebäude, wo wir uns mit Katja verabredet hatten. Keine Katja zu sehen. Rein ins Gebäude – keine Katja zu sehen. Also am Schalter nachgefragt, wo folgender Dialog entstand (frei übersetzt):


Ich: Wann wird denn die Tour von heute morgen zurückerwartet?
Frau vom Schalter: Es gab keine.
Ich: Das ist aber komisch, denn ich habe heute morgen meine Schwägerin hier für eben diese abgeliefert.
Frau: Ja, da war auch ein einzelnes Mädel. Die hatte ja nichts bei sich – kein Handy oder Laptop. Daher hat sie bei uns kurz den PC benutzt, um Ihnen bei facebook eine Nachricht zu schreiben. Sie wollte in die Stadt gehen.

Was folgte, war eine kleine Odyssee durch Kaikoura, in der Anne jeden Shop und jede Bar abklapperte und ich Katja am Strand suchte. Nach ca. 1,5 Stunden kamen wir zurück zum Schalter.

Ich: Ist meine Schwägerin zufällig aufgetaucht?
Frau: Nee, leider nicht.
Ich: Kann ich nochmal kurz ihr Internet benutzen, um zu prüfen, ob sie vielleicht doch noch irgendwo uns eine Nachricht hinterlassen hat?

Und bei facebook stand auf einmal: „Ich warte drinnen.“ - Häh???!!! Tja, Katja saß die ganze Zeit einfach einmal um die Ecke vom Schalter, hatte uns nicht gesehen und wir sie auch nicht. So kann man auch die Zeit in Kaikoura totschlagen.

Seehund allein

Seehund mit Kind

Seehund mit Parkplatz (...?!)
Kaikoura Peninsula

Wieder nix mit diesen Meeressäugern. Letzte Chance war Akaroa auf der Banks Peninsula bei Christchurch. Dieses Ziel hatten wir sowieso, weil die Halbinsel sehr schön sein soll, Christchurch ohnehin Katjas Endstation war und außerdem unsere gute alte Freundin Maggie in Akaroa inzwischen lebt und arbeitet.

Auf dem Weg dorthin gab es wieder eine ganze Menge an Seehunden zu sehen. Und die Banks Peninsula selbst ist auch ein absoluter Hingucker! Ein wirklich sehr schöner Flecken Land. Der einzige Wermutstropfen sind die ganze französischen Straßennamen und Bezeichnungen, die auf ein kurzes koloniales Intermezzo unserer Nachbarn dort zurückgehen. Can't trust the French! ;-)

Und endlich klappte es auch mit der Delfintour. Zwei sexy Neoprenbadenixen bestiegen bei bestem Schmuddelwetter das Boot, um holprig über Wellen hinweg hinauszuschippern. Der Erfolg war dann so semioptimal: Delfine gesichtet – check. Pinguine gesichtet – check. Mit Delfinen im Wasser geschwommen – naja... es war einer da, aber der war dann auch schnell wieder weg. Dafür erwies sich das wasserdichte Gehäuse unserer Videokamera als wasserUNdichtes Gehäuse, womit für diese leider der Urlaub (und vielleicht auch das Leben) beendet ist. Grmpf!

Dafür war das Wiedersehen mit Maggie umso schöner und wurde mit einem gemeinsamen Abendessen inklusive Übernachtung bei ihr gekrönt. Wir hoffen, wir sehen uns bald wieder.

Am nächsten Tag gab es den nächsten Abschied, weil unser Kindermädchen „Latisha“ wieder heimflog. Ab jetzt mussten wir uns wieder selbst um das Kind kümmern. Dafür war wieder mehr Platz im Van. :-)

Gruppenfoto auf der Banks Peninsula

Für uns ging die Reise weiter Richtung Süden. Am Lake Ellesmere hatten wir viel Ruhe, dafür aber auch riesige Insektenschwärme. Bei Oamaru trafen uns die Ausläufer von einem Zyklon, der den Van böse zum Wackeln brachte und mir als Fahrer die Schweißperlen auf die Stirn jagte. Dafür fanden wir am nächsten Morgen viele schöne Paua-Muscheln am Strand. Auf der Otago Peninsula konnten wir die Königsalbatrosse bestaunen. Die sehen ein bisschen aus, wie überdimensionierte Möwen, machen aber nicht so viel Lärm.

Sonnenaufgang am Lake Ellesmere

Moueraki Boulders

Eastcoast zwischen Oamaru und Dunedin

Leuchtturm auf der Otago Peninsula

Dann kamen wir an die südliche Spitze Neuseelands, die Catlins. Hier meinte es das Wetter nicht so ganz gut mit uns, weil wir viel Regen hatten. Aber trotzdem sind die rauhe Küste, die feuchtgrünen Farnwälder und die vielen Wasserfälle den Besuch absolut wert.

Henri und Basti in der Purakaunui Bay

Schöne Aussicht beim Schlafplatz

Seelöwen-Mama mit Seelöwen-Baby

Purakaunui Falls

Trotzdem hatten wir wieder Lust auf Inland bzw. auf Berge (also zumindest ich) und so ging es Richtung Queenstown. Diese Stadt hatten wir damals ziemlich links liegen lassen, weil es uns irgendwie alles zu hektisch/touristisch war. Daran hat sich nichts geändert, aber dieses Mal waren wir ja darauf eingestellt. Und eigentlich ist Queenstown einen Besuch absolut wert. Der von Bergen eingerahmte Lake Wakatipu ist megaschön, nachts hat man fantastische Sternenhimmel und in Queenstown gibt es ja auch das eine oder andere zu tun. Wir nahmen mit Gondel- und Dampferfahrt die eher babyfreundlichen Angebote war und verzichteten auf Bungeejumping o.ä. (nicht für Geld und gute Worte!).

Lake Wakatipu

Henri lernt fliegen

Und nun sind wir in Arrowtown, was bei Queenstown liegt, und bereiten unseren Trip Richtung Lake Wanaka, Mount Cook und Lake Tekapo vor. Dann gibt’s hoffentlich etwas schneller wieder einen Blogbeitrag. Bleibt gespannt.

Eure Kiwis.