Freitag, 27. März 2015

Deine Welt sind die Ber-hergeee!

Boah Kinders, da liegen ja aufregende Tage hinter uns. Wir hatten euch das letzte Mal aus Arrowtown geschrieben, einem kleinen ehemaligen Goldgräberstädtchen unweit von Queenstown. Unseren dortigen Ruhetag sowie die Tatsache, dass wir mal wieder so ein Internet gefunden hatten, brachte Anne gleich auf eine neue Idee: Lass uns doch hier mal geocachen. „Wat'n ditte?!“ werdet ihr euch fragen.

Nun, Geocaching ist sowas wie moderne Schnitzeljagd mit GPS und Handy. Man bekommt eine Koordinate, an der ein Logbuch versteckt ist, findet dies und kann sich dann dort ins Logbuch eintragen. Und damit das ganze auch noch digital sichtbar wird, kann man seinen Fund auch im Internet vermerken. Ist eine ganz witzige Sache, weil man dadurch animiert wird, raus zu gehen und Orte mit anderen Augen zu erkunden.

Und in NZ jibbet tonnenweise Caches. Gleich in Arrowtown haben wir davon drei Stück gefunden und als schönen Nebeneffekt haben wir dadurch den Ort erkundet, der wirklich sehr schön ist mit seinen alten Gebäuden, die man sich auch in einer alten Western-Stadt vorstellt. Noch dazu gab es viele Geschäfte, die besonders Anne zu juchzen brachten (Stoff- und Süßigkeitenladen).

Goldgräber-Städtchen Arrowtown

Anne beim Geocachen

Weiter ging es zu den großen Gletscherseen. Hier hofften wir auf gutes Wetter, weil man dann bei Windstille auf der spiegelglatten Oberfläche unglaublich grandiose Fotos zustande bekommt. Aber leider hatten wir am Lake Dunstan und Wanaka damit Pech, denn vielmehr sorgte der kräftige Wind dafür, dass ein Wellengang wie am Meer herrschte. Also bezogen wir am Lake Wanaka unser Lager und hofften auf blauen Himmel am Folgetag.


Erkennt ihr den River Anduin aus Herr der Ringe?

Lake Wanaka

Abendessen

Daraus wurde leider auch nix. Naja, man kann nicht immer Glück haben. Wir vertrieben uns die Zeit damit, weitere Caches zu suchen, eine Anhalterin aus Deutschland mitzunehmen und eine beschwerliche Wanderung zum Diamond Lake zu unternehmen. Dafür wurden wir dort mit einem tollen Ausblick und (unfreiwilliger) Unterhaltung belohnt, denn einem anderen Wanderer fiel beim Lookout doch tatsächlich sein Smartphone den Abhang hinunter. Aber tatsächlich konnte er es 50 Meter weiter unten im tiefsten Busch wiederfinden und es hatte „nur“ ein kaputtes Display. Henri hatte derweil mal wieder mehrere Mädels zum Schmachten gebracht, die ebenfalls am Lookout Rast gemacht hatten. Der Junge wird mal zum großen Herzensbrecher! Bis dahin sollten wir ihn an Singlemänner vermieten, denn mit ihm im Arm wird man garantiert von den Mädels angequatscht. :-)

Lake Diamond von oben

Basti will es wissen - Kann Henri fliegen?

Wir wollten dem Wetter (und unserem Spiegeleffektfoto) noch eine Chance geben und übernachteten bei unserem „guten, alten“ Lake Hawea, der uns schon damals in seinen Bann gezogen hatte. Am nächsten Morgen war es immer noch bewölkt, was Basti aber nicht davon abhielt, sich im See bei einem Bad frisch zu machen. Buah, kalt! Bei soviel Einsatz zeigte auch der Wettergott Gnade und schob die Wolken beiseite. Für einen perfekten Spiegeleffekt reichte es zwar nicht, aber trotzdem bescherte uns der Lake Hawea mal wieder ein Panorama wie von Bob Ross gemalt („...and here I add a little happy mountain – just for the fun of it.“). Anne möchte die Scheidung einreichen und den See heiraten.

Lake Hawea....schmacht!

Ausgebüchste Kuh

Die nächste Station war dann wieder absolutes Neuland für uns: Der Mount Cook. Um den größten Berg Neuseelands (sowie einem der größten Berge Ozeaniens/Polynesiens/Australiens – je nachdem, wie man die kontinentale Einteilung hier vornimmt) hatten wir bisher irgendwie immer einen Bogen gemacht. Auf dem Weg dorthin übernachten wir an einem Stausee in den Bergen, an dem Basti eine (halbe) Herausforderung von Katja endlich erfüllte und nackig baden ging – allerdings am helllichten Tag, mit Leuten in der Nähe und bei sehr kalten Temperaturen (er ging als Mann und kam als Junge wieder :-D ). Also: challenge accepted and won. ;-) Auch Anne traute sich (angezogen) ins Wasser, beließ es aufgrund der Wassertemperatur aber bei einem kurzen Taucher.

Lake Ruataniwha am Tage

Nachthimmel über Lake Ruataniwha

Lake Ruataniwha im Morgennebel

Und dann waren wir endlich am Mount Cook, ein wirklich majestätischer Berg: Schneebedeckt ragt er, links und rechts von kleineren Bergen flankiert, aus der flachen Ebene hervor und zu seinen Füßen ein blauer großer Gebirgssee, in dem sich ein Antlitz spiegelt. Und für uns zwei dekadente Hauptstädter gab es natürlich nur eine standesgemäße Art, um diesen Berg zu erkunden – aus der Luft! Als vorfristiges Geburtstagsgeschenk für Basti machten wir einen Helikopterflug, bei dem man den Berg, den Tasman Glacier (der größte Gletscher Neuseelands) sowie das umliegende Gebirge erkunden konnte. Zur Krönung gab es noch eine Schneelandung auf 2000 Metern Höhe.

Mount Cook

Mount Cook und Lake Tasman

Wir müssen zugeben, dass wir beim Flug nicht ganz so cool waren, denn so ein Helikopter wackelt ganz schön und ist dem Wind ziemlich ausgeliefert. Nur Henri nahm es super gelassen und machte erst mal ein kleines Nickerchen. Stahlharte Nerven, der Junge!

Henri ist ganz relaxed

Spaziergang in 2000 Metern Höhe

Auch sonst erweist sich Henri als sehr reisekompatibel. Beim Autofahren schläft er ruck-zuck ein oder erfreut sich am Anblick von Mama oder Papa oder seinem Spielzeug; er isst alles ohne zu Murren (selbst, wenn schon Stückchen drin sind) und beißt auch schon von der Banane ab; er lächelt einfach jeden fremden Menschen an; er findet das Auto total aufregend und findet praktisch im Sekundentakt einen neuen Gegenstand zum Spielen (Autoschlüssel, Wäscheklammern, Taschentücher, Schnüre, Besteck... nichts ist vor ihm sicher). Und bisher war er auch ein relativ guter Schläfer. Das hat sich aber leider etwas verschlechtert, seit die ersten Zähne durchstoßen.

Trekker fahren!

Nach Mt. Cook ging es zu einer weiteren Neuseeland-Touristenattraktion – dem Lake Tekapo. Wir müssen gestehen, dass wir den Hype nicht ganz so nachvollziehen können. Es ist ein schöner See (aber auch nicht schöner als die anderen – siehe oben) und die viel fotografierte Kirche davor ist zwar sehr ansehnlich, aber nun auch nicht DAS Monument. Vielleicht liegt es an dem Fakt, dass man am Lake Tekapo angeblich den besten Sternenhimmel in ganz Neuseeland sehen soll. Kann sein, können wir aber nix zu sagen, weil es bei uns bewölkt war.

Wenigstens der Sonnenaufgang am Lake Tekapo war toll.

Church of the Good Shepherd

Egal, weiter ging es zunächst wieder Richtung Osten und dann steil hoch nach Nordwesten über die Southern Alps rüber am Arthur's Pass bis zum Lake Brunner (die Strecke sind wir damals zusammen mit Judith und Nicole mit dem Zug gefahren), wo wir dann auf einmal wieder tolles Sommerwetter vorfanden. Das Wetter in diesem Land ist halt ein Mysterium für sich. Leider ist der Westen der Berge auch die Heimat von Neuseelands Raubvogel Nummer eins: Der Sandfly! Und diese Biester trieben uns am ansonsten wunderbar schönen Lake Brunner schier in den Wahnsinn, weswegen wir dort leider nicht länger verweilen konnten.

Arthur's Pass

Lake Brunner

Nun haben wir Zwischenstation in Murchison am Buller River gemacht und uns bei herrlichem Sonnenschein ein Bad im Fluss genehmigt. Morgen geht es weiter Richtung Norden zum Farewell Spit.

Bis dahin
eure Kiwis.

Freitag, 20. März 2015

Back in the south

Und schon wieder haben wir euch sträflich lange warten lassen. Das tut uns leid; es ist nicht so, dass ihr uns nicht am Herzen liegt, aber unsere Freizeit hier drüben wird von einem ca. 70 cm großen Knirps bestimmt, der nicht viel Raum für Logbucheinträge lässt. Ganz zu schweigen von solchen Aktivitäten wie Lesen – unsere mitgenommenen Bücher werden wohl nahezu unangetastet die Heimreise antreten.

Daher haben wir uns heute mal einen Ruhetag verordnet. Naja, der Hauptgrund ist viel eher die Tatsache, dass wir eine ganze Busladung voll an Wäsche haben, die mal dringend gereinigt werden muss. Und in der Zwischenzeit kann Henri ein bisschen auf der Wiese hin und her rollen, Anne kann Brot backen und ich schreibe ein bisschen Blog.

So, die Südinsel also. Lange Zeit war das ja damals quasi unsere Heimat, als wir in Havelock einem geregelten Arbeitsleben nachgingen. Trotzdem haben wir auch hier noch weiße Flecken auf der persönlichen NZ-Landkarte, die wir nun füllen möchte. Aber immer der Reihe nach...

Zunächst kam die Fährüberfahrt von Wellington nach Picton. Diese haben wir ja schon ein paar mal gemacht und daher Katja auch von der tollen Aussicht vorgeschwärmt, aber dieses Mal meinte es der Wettergott leider nicht gut mit uns und bescherte uns dicke graue Suppe und dazu etwas heftigeren Seegang, der das große Schiff doch ganz schön ins Schaukeln brachte. Da war an Aussicht leider nicht zu denken. Zu allem Überfluss konnten wir auch nicht den Hafen ansteuern, weil dort ein anderes Schiff aufgrund des Seegangs den Kai gerammt hatte und dieser zunächst repariert werden musste. So cruisten wir drei zusätzliche Stunden durch die Marlborough Sounds. Immerhin gab es vom Kapitän die Durchsage, dass es im Bordbistro als Entschädigung Fish'n'Chips for free gäbe, was eine kleine Stampede Richtung Futtertheke auslöste. Wie gut, dass wir uns fünf Minuten vorher bereits Essen gekauft hatten. Grmpf.

Schlussendlich kamen wir aber doch an. Das primäre Ziel für die beiden Mädels auf der Südinsel waren Wale und Delfine. Daher fragten wir gleich in Pcton nach, ob es dort Möglichkeiten gäbe. Diese gab es grundsätzlich schon, nur sollte das Wetter die nächsten Tage nicht so berauschend sein. Also weiter Richtung Kaikoura, um es dort zu versuchen. Das Nachtlager wurde in der White's Bay aufgeschlagen – eine wunderschöne Bucht, die eigentlich zum längeren Verweilen eingeladen hätte.


Regenbogen überm Rarangi Beach gleich neben der White's Bay

Aber wir hatten ja andere Ziele. In Kaikura waren alle Delfintouren leider ausgebucht, aber für das Whale Watching waren noch Plätze frei. Also besorgte sich Katja eine Karte für den nächsten morgen, wo wir sie dann auch beim Parkplatz ablieferten, alle ihre technischen Geräte im Auto ließen (damit die nicht ins Wasser fallen) und uns für den Vormittag verabschiedeten, um die Kaikoura Peninsula zu besichtigen.

Die Kaikoura Peninsula ist wirklich traumhaft schön, aber leider sehr windig, weswegen wir unsere Wanderung mit Henri etwas früher beendeten. Außerdem wollten wir uns noch mit unserer Freundin Sandra treffen, die kurzzeitig Annes/Henris Hebamme war und nun versucht, in NZ Fuß zu fassen. Wir hatten einen sehr schönen Nachmittag in einem leckeren Eis-/Kuchenladen. Dann mussten wir schon wieder Katja abholen. Also flugs zum Parkplatz vom Whale Watching-Hauptgebäude, wo wir uns mit Katja verabredet hatten. Keine Katja zu sehen. Rein ins Gebäude – keine Katja zu sehen. Also am Schalter nachgefragt, wo folgender Dialog entstand (frei übersetzt):


Ich: Wann wird denn die Tour von heute morgen zurückerwartet?
Frau vom Schalter: Es gab keine.
Ich: Das ist aber komisch, denn ich habe heute morgen meine Schwägerin hier für eben diese abgeliefert.
Frau: Ja, da war auch ein einzelnes Mädel. Die hatte ja nichts bei sich – kein Handy oder Laptop. Daher hat sie bei uns kurz den PC benutzt, um Ihnen bei facebook eine Nachricht zu schreiben. Sie wollte in die Stadt gehen.

Was folgte, war eine kleine Odyssee durch Kaikoura, in der Anne jeden Shop und jede Bar abklapperte und ich Katja am Strand suchte. Nach ca. 1,5 Stunden kamen wir zurück zum Schalter.

Ich: Ist meine Schwägerin zufällig aufgetaucht?
Frau: Nee, leider nicht.
Ich: Kann ich nochmal kurz ihr Internet benutzen, um zu prüfen, ob sie vielleicht doch noch irgendwo uns eine Nachricht hinterlassen hat?

Und bei facebook stand auf einmal: „Ich warte drinnen.“ - Häh???!!! Tja, Katja saß die ganze Zeit einfach einmal um die Ecke vom Schalter, hatte uns nicht gesehen und wir sie auch nicht. So kann man auch die Zeit in Kaikoura totschlagen.

Seehund allein

Seehund mit Kind

Seehund mit Parkplatz (...?!)
Kaikoura Peninsula

Wieder nix mit diesen Meeressäugern. Letzte Chance war Akaroa auf der Banks Peninsula bei Christchurch. Dieses Ziel hatten wir sowieso, weil die Halbinsel sehr schön sein soll, Christchurch ohnehin Katjas Endstation war und außerdem unsere gute alte Freundin Maggie in Akaroa inzwischen lebt und arbeitet.

Auf dem Weg dorthin gab es wieder eine ganze Menge an Seehunden zu sehen. Und die Banks Peninsula selbst ist auch ein absoluter Hingucker! Ein wirklich sehr schöner Flecken Land. Der einzige Wermutstropfen sind die ganze französischen Straßennamen und Bezeichnungen, die auf ein kurzes koloniales Intermezzo unserer Nachbarn dort zurückgehen. Can't trust the French! ;-)

Und endlich klappte es auch mit der Delfintour. Zwei sexy Neoprenbadenixen bestiegen bei bestem Schmuddelwetter das Boot, um holprig über Wellen hinweg hinauszuschippern. Der Erfolg war dann so semioptimal: Delfine gesichtet – check. Pinguine gesichtet – check. Mit Delfinen im Wasser geschwommen – naja... es war einer da, aber der war dann auch schnell wieder weg. Dafür erwies sich das wasserdichte Gehäuse unserer Videokamera als wasserUNdichtes Gehäuse, womit für diese leider der Urlaub (und vielleicht auch das Leben) beendet ist. Grmpf!

Dafür war das Wiedersehen mit Maggie umso schöner und wurde mit einem gemeinsamen Abendessen inklusive Übernachtung bei ihr gekrönt. Wir hoffen, wir sehen uns bald wieder.

Am nächsten Tag gab es den nächsten Abschied, weil unser Kindermädchen „Latisha“ wieder heimflog. Ab jetzt mussten wir uns wieder selbst um das Kind kümmern. Dafür war wieder mehr Platz im Van. :-)

Gruppenfoto auf der Banks Peninsula

Für uns ging die Reise weiter Richtung Süden. Am Lake Ellesmere hatten wir viel Ruhe, dafür aber auch riesige Insektenschwärme. Bei Oamaru trafen uns die Ausläufer von einem Zyklon, der den Van böse zum Wackeln brachte und mir als Fahrer die Schweißperlen auf die Stirn jagte. Dafür fanden wir am nächsten Morgen viele schöne Paua-Muscheln am Strand. Auf der Otago Peninsula konnten wir die Königsalbatrosse bestaunen. Die sehen ein bisschen aus, wie überdimensionierte Möwen, machen aber nicht so viel Lärm.

Sonnenaufgang am Lake Ellesmere

Moueraki Boulders

Eastcoast zwischen Oamaru und Dunedin

Leuchtturm auf der Otago Peninsula

Dann kamen wir an die südliche Spitze Neuseelands, die Catlins. Hier meinte es das Wetter nicht so ganz gut mit uns, weil wir viel Regen hatten. Aber trotzdem sind die rauhe Küste, die feuchtgrünen Farnwälder und die vielen Wasserfälle den Besuch absolut wert.

Henri und Basti in der Purakaunui Bay

Schöne Aussicht beim Schlafplatz

Seelöwen-Mama mit Seelöwen-Baby

Purakaunui Falls

Trotzdem hatten wir wieder Lust auf Inland bzw. auf Berge (also zumindest ich) und so ging es Richtung Queenstown. Diese Stadt hatten wir damals ziemlich links liegen lassen, weil es uns irgendwie alles zu hektisch/touristisch war. Daran hat sich nichts geändert, aber dieses Mal waren wir ja darauf eingestellt. Und eigentlich ist Queenstown einen Besuch absolut wert. Der von Bergen eingerahmte Lake Wakatipu ist megaschön, nachts hat man fantastische Sternenhimmel und in Queenstown gibt es ja auch das eine oder andere zu tun. Wir nahmen mit Gondel- und Dampferfahrt die eher babyfreundlichen Angebote war und verzichteten auf Bungeejumping o.ä. (nicht für Geld und gute Worte!).

Lake Wakatipu

Henri lernt fliegen

Und nun sind wir in Arrowtown, was bei Queenstown liegt, und bereiten unseren Trip Richtung Lake Wanaka, Mount Cook und Lake Tekapo vor. Dann gibt’s hoffentlich etwas schneller wieder einen Blogbeitrag. Bleibt gespannt.

Eure Kiwis.

Donnerstag, 5. März 2015

Welcome to Enzed

Nanu, was ist da denn los. Letztens haben wir hier noch groß das Comeback von Moppelkopf beworben und nun kein einziges Lebenzeichen aus "Enzed"? Ihr habt ja Recht. Eine vorübergehende Schreibblockade überkam den Autoren dieser Zeilen, weswegen ihr so lange auf unseren ersten richtigen Reisebericht warten musstet.

In der Zwischenzeit ist viel passiert. Seit unser Rückkehr nach Neuseeland haben wir fast 1900 Kilometer Strecke zurückgelegt. Dabei haben wir die Nordinsel erkundet und viele schöne Erlebnisse gehabt. Wir mussten aber auch feststellen, dass das Reisen mit einem Baby andere Herausforderungen mit sich bringt, als wir das gewohnt waren. Und wenn dazu noch drei erwachsene Dickköpfe kommen, dann können die fünf Quadratmeter Auto schon mal etwas eng werden.

Zunächst einmal gab es glech doppelte Wiedersehensfreue: Einerseits mit diesem wunderschönen Land und andererseits mit Annes Schwester Katja, die für drei Wochen mit uns reist als Nanny für Henri (wir nennen sie daher ab jetzt Latisha und sie muss auf alles mit "Ja, Massa!" antworten). Danach wurde unser Heim und Gefährt für die nächste Zeit abgeholt: Ein umgebauter VW T5. Auf den ersten Blick konnte man nur schwer glauben, dass unser ganzes Zeug darin Platz finden kann, aber inzwischen wurde alles mit eisernem Willen von Anne verstaut. Trotzdem suchen wir ständig irgendwelche Sachen. :-)
 
Tante Katja bringt Henri vegetarisches Essen näher

Unser neues Heim



Die erste Nacht "draußen" verbrachten wir quasi als Hommage an unseren ersten NZ-Trip an der gleichen Stelle wie damals: Im Shakespear Regional Park. Hier konnten wir in Ruhe das Auto einräumen, in den Pazifik planschen gehen und die ersten Wanderversuche mit Henri im Tragegurt unternehmen. Das Ergebnis war nur zum Teil erfolgreich, weil der Kleine sich dabei gleich mal eine Rotznase holte und uns damit die nächsten Tage (und vor allem Nächte) auf Trab halten sollte.
Shakespear Regional Park
Jede Menge Viecher... und ein paar Schafe

Weiter ging es über Whangarei und die dortigen Wasserfälle Richtung Bay Of Islands, die wir 2010 leider nur im Regen kennengelernt hatten. Dort gab es eine kleine Eltern-Premiere, denn wir überließen Henri erstmals komplett einer "fremden" Person. "Latisha"-Katja machte ihre Sache aber total prima und der Kleine strahlte wie ein Sonnenschein bei unserer Rückkehr. In der Zwischenzeit machten wir zu zweit eine Bootstour durch die Bay um die Landschaft und Delfine zu sehen. Ersteres gab es zuhauf, letzteres leider nur sehr kurz. Aber auch so war es eine schöne Tour.
 
Familienfoto in der Bay Of Islands
Delfine
Wir am "Hole In The Rock"
Eine Bucht mit vielen Inseln - hier wird nicht zuviel versprochen.

Das Wetter präsentiert sich typisch neuseeländisch-sommerlich – viel Sonne, aber auch immer wieder mal Regen. In der Bay hatten wir davon leider etwas mehr. Dafür war dann auf unserem Weg hoch zum Cape Reinga bestes Wetter inkl. klarem Sternenhimmel in der Nacht. Auch das Cape hatte sich 2010 bei ziemlich miesem Wetter präsentiert. Dieses Mal gab es dagegen blauen Himmel satt. Auch "Latisha", die sonst eigentlich nicht reden darf, verstieg sich hier erstmals zu der Aussage "Ja, doch sieht ja landschaftlich doch schon schön aus." - braves Mädchen.
 
Cape Reinga - im Hintergrund paaren sich grad Pazifik und Tasman Sea
Janz schön weiter Strand hier...

Nachdem wir zur Nordspitze hin an der Pazifikküste entlang fuhren, ging es zurück nach Auckland an der Küste der Tasmanischen See, damit wir auch mal romantische Sonnenuntergänge erleben und die majestätischen Kauri-Bäume bertrachten konnten.
Ein Zwerg und ein Riese
Ich habe den Baum lieb

In Auckland reduzierte sich unsere Reisegruppe kurzzeitig wieder auf 2,5 Personen, weil Katja mit dem Bus nach Rotorua weiterfuhr (ihre Reiseberichte sind hier unten rechts verlinkt; sie schreibt auch wesentlich fleißiger – alte Streberin!). Wir nutzten die Zeit, um unseren alten Kumpel Matt zu besuchen. Das Wiedersehen war sehr schön und wir haben schon wieder was Neues gelernt – einen Schwangerschaftstest bei einer Kuh. Anne durfte sogar mal gucken. Wir freuen uns schon auf Mitte April, wenn wir ein bisschen länger bei dem "Bub" bleiben können.
In Taupo kam es zur Wiedervereinigung der Reisegruppe (Henri musste schließlich mal wieder gewindelt werden *g*), um ein sportliches Highlight unserer Reise zu absolvieren: Das Tongariro Crossing! 19,4 Kilometer durch Moor, Geröll, Asche, den Berg hoch, den Berg runter, den Berg hoch... und das Ganze ca. acht Stunden lang. Da Anne schon bei dem Gedanken daran mit den Scheidungspapieren wedelte, musste halt Katja dran glauben. So ein Sherpa, der die Ausrüstung für einen schleppt, ist ja auch nicht schlecht. Und weil wir beide beim Kraxeln soviel Spaß hatten, ergänzten wir die Tour noch um eine Besteigung des Mount Tangariro (immerhin 1978 Meter hoch). Am Ende lautete unsere Bilanz: 22,4 Kilometer in sieben Stunden. Die genaue Anzahl an überwundenen Höhenmetern reiche ich für unsere Statistikfreunde gerne noch nach.
"Mount Doom" - da musste Frodo hin
Auf der Spitze des Mt. Tongariro
Zwei Wandersleut
Morgens um zehn in Mordor

Momentan befinden wir uns im Hafen von Wellington und warten auf unsere Überfahrt auf die Südinsel, die morgen früh stattfindet. Dort wollen Anne und Katja Wale und Delfine beobachten gehen. Wir dürfen gespannt sein.

Nachtrag: So, liebe Statistiker und Wanderfreunde. Ich will euch natürlich nicht die genauen Details unserer Wandertour vorenthalten: Wir starteten bei 1100 Höhenmetern, arbeiteten uns dann bis zum Red Crater auf 1886 m empor, machten dann noch den kleinen Exkurs zum Mount Tongariro auf 1967 m, kehrten von dort wieder zum Red Crater zurück, um dann schlussendlich bis auf 800 Höhenmeter wieder hinabzusteigen. Wer's noch genauer mag, findet hier bzw. hier genaue Karten zur Wanderung.