Sonntag, 19. April 2015

Old MacHausen has a farm...

Im besten Falle ist das Schönste, was man von einer Reise mit nach Hause bringt, neue Freunde, die man dann bei weiteren Reisen besuchen kann. Und so war es für uns natürlich ein ganz besonderes Gefühl, nach dreieinhalb Jahren ins kleine Nest Havelock zurückzukehren und uns dort auf die Spuren unseres damaligen Aufenthalts zu begeben.

Aber das war gar nicht so einfach. Erst wollten wir Shanes Mutter Brenda (Shane gehörte das Hostel, in dem wir damals wohnten) auf dem Weg vom French Pass Richtung Havelock besuchen. Das Problem war, dass wir nicht genau wussten, wo auf der 60 km langen Strecke sie wohnte. Also haben wir uns einfach durchgefragt. Und tatsächlich konnte uns in einem Tante-Emma-Laden der Betreiber desselben mit ihrer Adresse weiterhelfen. Leider fanden wir das Haus verschlossen vor.

Also weiter nach Havelock, um unseren alten Kumpel Dener (ein gebürtiger Brasilianer, der schon seit mehreren Jahren in NZ lebt) aufzustöbern. Aber der war auch nicht da. Grmpf! Na gut, dann halt zu unserem alten Hostel, um die beiden Besitzer Asha und Shane sowie ihre drei Kinder zu besuchen. Die wohnen aber gar nicht mehr beim Hostel sondern ein paar Querstraßen weiter, wie uns die Backpackerin, die z.Zt. das Hostel leitet sagen konnte. Also halt nochmal dorthin. Aber auch hier war niemand anzutreffen. Es schien, als ob uns das Osterwochenende einen Strich durch unsere Wiedersehenspläne machen wollte.

Etwas geknickt nisteten wir uns daraufhin im Campingplatz von Havelock ein und beschlossen, den Tag mit Fish'n'Chips vom lokalen Takeway-Laden zu beenden. Tja, und wie der Zufall es so wollte, traf Basti dann genau in diesem Takeway auf die zuvor gesuchte Familie. Da war die Überraschung natürlich groß, aber auch die Wiedersehensfreude. Der "kleine" Jack (immerhin inzwischen schon sechs Jahre alt) konnte sich sogar noch an uns erinnern. Und so wurde es dann noch ein schöner Nachmittag.

Wir verabredeten uns noch für den folgenden Morgen und konnten – Internet sei Dank – auch noch Dener aufspüren und uns ebenfall mit ihm für den Folgetag verabreden. So wurde es dann doch noch eine kleine Reise in die Vergangenheit. Zudem konnten wir noch eine kleine persönliche Tradition fortsetzen und Katjas Schuhe, die sie nicht mehr mit nach Hause nehmen wollte, am selben Zaun aufhängen, wo auch schon seit damals Anne damalige Latschen rumbaumeln.

Und damit war das Kapitel Südinsel auch schon fast wieder beendet. Die Nacht verbrachten wir in Picton in der Nähe des Fährhafens und konnten dank klarem Himmels auch noch ein kleines Naturspektakel beobachten, nämlich eine sogenannte totale Mondfinsternis. Bei dieser liegt der Vollmond vollständig im Schatten der Erde und leuchtet aufgrund der Lichtbrechung rot, weswegen das im Englischen auf "red moon" oder im Deutschen "Blutmond" heißt. Dafür sind wir alten Hobby-Astronomen sogar mitten in der Nacht um 1:30 Uhr aufgestanden.

Und schwups waren wir wieder im Norden. Hier wollte Basti nochmal einen Abstecher zum Lake Waikaremoana machen, weil wir diesem bei unserem ersten Besuch leider viel zu wenig Zeit gewidmet hatten. Aber ach, das Wetter... nachdem wir auf der Südinsel fast schon wieder sommerliche Temperaturen hatten, gab es dann im Norden Herbst satt. So schön mit Regen, Wind und niedrigen Temperaturen. Bäh! Das war natürlich nicht so dolle. Zwar konnten noch ein bisschen die schöne Natur am Lake Waikaremoana genießen, entschlossen uns dann aber am nächsten Tag doch zur Abfahrt.

Und hier mal ein kleiner Tipp für all jene Autofahrer, die ihre Nerven und ihr Auto mal richtig schön einsauen wollen: Einfach den State Highway 38 vom Lake Waikaremoana Richtung Roturua bei Regenwetter entlang fahren. Die 105 km Schotterpiste lassen sich bei durchschnittlich 40 Stundenkilometern sehr ausführlich genießen, die Aussicht ist gerade zu fantastisch (Regenwald links und rechts bzw. Nebel direkt vor der Nase), die Streckenführung optimal (180°-Kurven ohne Ende) und nur geringfügiger Gegenverkehr (riesige Laster) auf ausladenden Straßen (ca. 2 Meter). Danach sah unser Van aus wie nach einer Rallye und Basti wollte partout kein Lenkrad mehr anfassen.

Daher nutzten wir die natürlichen heißen Quellen in der nähe von Roturua, um uns mal ein bisschen Spa-Feeling zu gönnen. Wenn es von oben regnet, ist ein 39 °C warmer Pool genau das richtige. Auch Henri gefiel das sichtlich. (Nicole/Judith und Annes Eltern müssten die Pools auch noch von ihren Besuchen kennen.)

Und danach hatten wir vom Autofahren erst einmal die Nase voll und nisteten uns bei unserem Kumpel Matt und seiner Freundin Emma auf der Kuhfarm ein, wo wir noch immer sind. Das Timing war perfekt, denn genau an dem Tag regnete es eimerweise. Brrr! Da wärmt man sich doch lieber drinnen ein bisschen am Feuer. Und als das Wetter besser wurde, konnten wir mit Matt ein bisschen die Farm erkunden, die Kälber füttern, die Kühe melken, Tontauben und/oder richtige Vögel schießen... was man halt auf einer Farm so machen kann. Matt nahm Basti sogar mit auf die Jagd und die beiden kamen erfolgreich mit Bambi zurück aus dem Wald. Hmm... lecker!

Emma war in der Zwischenzeit vollkommen von Henri verzaubert und er wird ihr bestimmt sehr fehlen. Wenigstens konnte sie ihm sein erstes englisches Wort beibringen: "Tickle" (auf deutsch: kitzeln). Wir werden die beiden auch dolle vermissen, denn die Zeit hier war wieder einmal wunderbar und viel zu schnell vorbei.

Morgen treten wir langsam unsere Heimreise an, verbringen noch zwei Tage in Auckland und dann geht es auch schon ab nach Tasmanien. Von dort werdet ihr wieder von uns hören bzw. lesen.

PS: Das Internet ist grad zickig, weswegen das Hochladen der Fotos nicht richtig klappt. Daher gibt es erstmal nur eins:


Freitag, 3. April 2015

Die Tage am Meer

Och nö, schon April? Wer hat denn da an der Uhr gedreht? Aber noch haben wir ja ein paar Tage in "Enzed", die wir natürlich nutzen. Zuletzt hatten wir euch aus Murchison geschrieben. Kurz darauf starteten wir unsere Tour hoch zur nördlichen Spitze der Südinsel. Das war ein ganz schöner Ritt, denn dazwischen liegen einige hügelige Abschnitte, die serpentinenartig bewzungen werden mussten.

Aber dafür hatten wir mal wieder Unterhaltung der anderen Art auf dem Weg. In einem kleinen Nest auf der Strecke hatten wir kurz Rast gemacht, um Henri zu füttern und einen weiteren Cache zu finden. Und auf einmal knattert es ganz gewaltig und eine riesige Gruppe an Motorradfahrern macht sich auf dem Parkplatz gegenüber breit. Kurz darauf wimmelte es dann auch nur so von Polizeiautos. Und wir mittendrin – oh, oh... Wir traten dann lieber schnell die Flucht an – kein Bock auf "Colateral damage". :-)

Komischerweise folgte uns dann aber die nächsten 20 Kilometer bis Motueka ein Polizeiauto. Ob die gesehen hatten, dass Anne heimlich Handyfotos geknipst hat? Naja, jedenfalls ging es dann weiter durch Motueka (inklusive Stop an der "European Bakery", um uns mit ordentlichem Brot einzudecken), die Schlängelpiste rüber über den Takaka Hill, der komplett in Wolken lag (weswegen wir eine zeitlang mit Sichtweiten unter 10 Metern voranschleichen mussten), bis wir schließlich nach erschöpfenden Stunden am Steuer in Collingwood ankamen.

Collingwood ist ein kleines Örtchen im Norden der Golden Bay mit ca. 150 Einwohnern. Heutzutage liegt es ein bisschen abseits vom Schuss und es kommen hauptsächlich Touris vorbei, die von dort eine der Farewell-Spit-Touren starten (so wie wir). Früher steppte hier aber mächtig der Bär, als Gold und andere Mineralien in der Gegend abgebaut wurden und tausende an Schürfern ihr Glück suchten. Kurzzeitg kam Collingwood sogar als Hauptstadt Neuseelands in Frage. Leider brannte die Stadt aber gleich dreimal zwischen 1900 und heute komplett nieder – also besser keine glimmende Kippe dort durch die Gegend schnipsen.

Normalerweise scheint dort oben sehr, sehr oft die Sonne. Nur als wir ankamen, muss Klärchen wohl einen Behördentag eingelegt haben, weil alle Berge drumherum komplett in Wolken hingen (tatsächlich haben wir erst am nächsten Tag realisiert, dass da überhaupt Berge sind) und ein paar Sturzbäche herunterregneten. Vom Wetter und der Fahrt zermürbt sowie mit einem etwas verrotztem Baby entschließen wir uns daher für etwas Luxus und mieteten uns für drei Nächte in ein Motel ein. Vier Wände! Ein Dach!! Ein Bett!!! Ein Fernseher!!!! Boah, Reizüberflutung!

Und wir trafen die richtige Entscheidung. Der freie Tag half bei der Regeneration und Henri freute sich über einen Tobetag auf der Decke. Außerdem wurden wir am Folgetag mit Kaiserwetter belohnt und konnten so auch endlich die Farewell-Spit-Tour starten. Der Farewell Spit ist eine ca. 25 Kilonmeter lange aber nur ein bis zwei Kilometer breite Landzunge, die vorrangig aus Sandstrand besteht. Trotz dieser Tatsache sind hier viele Tiere zuhause, u.a. eine Vogelart, die nonstop jedes Jahr von Alaska nach Neuseeland fliegt (also mal locker über 10.000 Kilometer). Der stetige Wind sorgt dafür, dass der Sand ständig wandert und die Landschaft täglich anders aussieht. Sehr beeindruckend.

Ausreichend gestärkt ging es wieder zurück über den Takaka Hill (diesmal wolkenfrei), Motueka (inklusive frischem Brot), Nelson (alte Erinnerungen an unsere Mädels Larri und Selli wurden wach, aber der berühmte Freedom Camping Platz wurde inzwischen leider geschlossen) Richtung Osten, denn wir müssen ja bald mal wieder rüber auf die Nordinsel. Aber vorher mussten wir noch einmal zum French Pass.

Der French Pass bezeichnet eine Meerenge in den Marlborough Sounds zwischen dem Festland und D'Urville Island. Die Namen implizieren schon, dass es sich hier ebenfalls um Relikte des damaligen französischen Forschungs- und Kolionaldrangs handelt. Und wie schon bei der Banks Peninsula hatten die Franzosen ein Näschen für wunderschöne Landschaften. Bereits der 60 km weite Weg zum Campground ist die Reise wert. Es geht hoch, runter, links, rechts über enge Straßen bzw. Schotterpisten und teilweise neben dem Auto gleich steil in die Tiefe (natürlich OHNE Leitplanke) – aber die Aussicht ist es einfach wert.

Und am Ende des Weges wartete eine kleine Kolonie zahmer Stachelrochen auf uns, die tagein und tagaus den Strand hinunterpatrollieren. Dazu ein Standplatz direkt am Strand, Sonne und blauer Himmel tagsüber, Vollmond und Sterne nachts und die Idylle ist perfekt. Umso schwerer viel uns heute morgen der Abschied von diesem kleinen Paradies, um Richtung Havelock aufzubrechen, wo wir derzeit übernachten.

Bald geht's wieder hoch in den Norden.
Bis dahin
Bannri.


Summer time!

Spiegeleffekt in Collingwood

"Entschuldigung, wo geht's hier zum Wasser?"

Leuchtturm am Farewell Spit - extra auf Stelzen wegen des vielen Windes

Das passiert, wenn Wale keine Richtungsschilder lesen können...

Unser Tour-Bus inmitten der Dünen

Cape Farewell

"Bitte beim Baden nicht auf die Rochen treten! Danke."

Sonnenaufgang am French Pass

Kuckuck!

Dunkel war's, der Mond schien helle...

Isse nicht schön... die Aussicht. :-)