Freitag, 3. April 2015

Die Tage am Meer

Och nö, schon April? Wer hat denn da an der Uhr gedreht? Aber noch haben wir ja ein paar Tage in "Enzed", die wir natürlich nutzen. Zuletzt hatten wir euch aus Murchison geschrieben. Kurz darauf starteten wir unsere Tour hoch zur nördlichen Spitze der Südinsel. Das war ein ganz schöner Ritt, denn dazwischen liegen einige hügelige Abschnitte, die serpentinenartig bewzungen werden mussten.

Aber dafür hatten wir mal wieder Unterhaltung der anderen Art auf dem Weg. In einem kleinen Nest auf der Strecke hatten wir kurz Rast gemacht, um Henri zu füttern und einen weiteren Cache zu finden. Und auf einmal knattert es ganz gewaltig und eine riesige Gruppe an Motorradfahrern macht sich auf dem Parkplatz gegenüber breit. Kurz darauf wimmelte es dann auch nur so von Polizeiautos. Und wir mittendrin – oh, oh... Wir traten dann lieber schnell die Flucht an – kein Bock auf "Colateral damage". :-)

Komischerweise folgte uns dann aber die nächsten 20 Kilometer bis Motueka ein Polizeiauto. Ob die gesehen hatten, dass Anne heimlich Handyfotos geknipst hat? Naja, jedenfalls ging es dann weiter durch Motueka (inklusive Stop an der "European Bakery", um uns mit ordentlichem Brot einzudecken), die Schlängelpiste rüber über den Takaka Hill, der komplett in Wolken lag (weswegen wir eine zeitlang mit Sichtweiten unter 10 Metern voranschleichen mussten), bis wir schließlich nach erschöpfenden Stunden am Steuer in Collingwood ankamen.

Collingwood ist ein kleines Örtchen im Norden der Golden Bay mit ca. 150 Einwohnern. Heutzutage liegt es ein bisschen abseits vom Schuss und es kommen hauptsächlich Touris vorbei, die von dort eine der Farewell-Spit-Touren starten (so wie wir). Früher steppte hier aber mächtig der Bär, als Gold und andere Mineralien in der Gegend abgebaut wurden und tausende an Schürfern ihr Glück suchten. Kurzzeitg kam Collingwood sogar als Hauptstadt Neuseelands in Frage. Leider brannte die Stadt aber gleich dreimal zwischen 1900 und heute komplett nieder – also besser keine glimmende Kippe dort durch die Gegend schnipsen.

Normalerweise scheint dort oben sehr, sehr oft die Sonne. Nur als wir ankamen, muss Klärchen wohl einen Behördentag eingelegt haben, weil alle Berge drumherum komplett in Wolken hingen (tatsächlich haben wir erst am nächsten Tag realisiert, dass da überhaupt Berge sind) und ein paar Sturzbäche herunterregneten. Vom Wetter und der Fahrt zermürbt sowie mit einem etwas verrotztem Baby entschließen wir uns daher für etwas Luxus und mieteten uns für drei Nächte in ein Motel ein. Vier Wände! Ein Dach!! Ein Bett!!! Ein Fernseher!!!! Boah, Reizüberflutung!

Und wir trafen die richtige Entscheidung. Der freie Tag half bei der Regeneration und Henri freute sich über einen Tobetag auf der Decke. Außerdem wurden wir am Folgetag mit Kaiserwetter belohnt und konnten so auch endlich die Farewell-Spit-Tour starten. Der Farewell Spit ist eine ca. 25 Kilonmeter lange aber nur ein bis zwei Kilometer breite Landzunge, die vorrangig aus Sandstrand besteht. Trotz dieser Tatsache sind hier viele Tiere zuhause, u.a. eine Vogelart, die nonstop jedes Jahr von Alaska nach Neuseeland fliegt (also mal locker über 10.000 Kilometer). Der stetige Wind sorgt dafür, dass der Sand ständig wandert und die Landschaft täglich anders aussieht. Sehr beeindruckend.

Ausreichend gestärkt ging es wieder zurück über den Takaka Hill (diesmal wolkenfrei), Motueka (inklusive frischem Brot), Nelson (alte Erinnerungen an unsere Mädels Larri und Selli wurden wach, aber der berühmte Freedom Camping Platz wurde inzwischen leider geschlossen) Richtung Osten, denn wir müssen ja bald mal wieder rüber auf die Nordinsel. Aber vorher mussten wir noch einmal zum French Pass.

Der French Pass bezeichnet eine Meerenge in den Marlborough Sounds zwischen dem Festland und D'Urville Island. Die Namen implizieren schon, dass es sich hier ebenfalls um Relikte des damaligen französischen Forschungs- und Kolionaldrangs handelt. Und wie schon bei der Banks Peninsula hatten die Franzosen ein Näschen für wunderschöne Landschaften. Bereits der 60 km weite Weg zum Campground ist die Reise wert. Es geht hoch, runter, links, rechts über enge Straßen bzw. Schotterpisten und teilweise neben dem Auto gleich steil in die Tiefe (natürlich OHNE Leitplanke) – aber die Aussicht ist es einfach wert.

Und am Ende des Weges wartete eine kleine Kolonie zahmer Stachelrochen auf uns, die tagein und tagaus den Strand hinunterpatrollieren. Dazu ein Standplatz direkt am Strand, Sonne und blauer Himmel tagsüber, Vollmond und Sterne nachts und die Idylle ist perfekt. Umso schwerer viel uns heute morgen der Abschied von diesem kleinen Paradies, um Richtung Havelock aufzubrechen, wo wir derzeit übernachten.

Bald geht's wieder hoch in den Norden.
Bis dahin
Bannri.


Summer time!

Spiegeleffekt in Collingwood

"Entschuldigung, wo geht's hier zum Wasser?"

Leuchtturm am Farewell Spit - extra auf Stelzen wegen des vielen Windes

Das passiert, wenn Wale keine Richtungsschilder lesen können...

Unser Tour-Bus inmitten der Dünen

Cape Farewell

"Bitte beim Baden nicht auf die Rochen treten! Danke."

Sonnenaufgang am French Pass

Kuckuck!

Dunkel war's, der Mond schien helle...

Isse nicht schön... die Aussicht. :-)

Kommentare:

  1. Oh, supi..... könnt ihr mir den Dener fett drücken, wenn/falls ihr ihn in Havelock seht? -- Ihr macht einen unverschämt entspannten Eindruck, ihr Lieben! :-) Keep up the good travel, mates!

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  2. Hallo ihr drei Kiwis (obwohl: ein Rugbyprofi ist ja auch dabei!)
    Ihr seht so schön erholt und zufrieden aus! Ich freue mich für euch. Aber auch ein bißchen auf eure Heimkehr - um euch, vor allem Henri, zu drücken aber auch ein bißchen, um euch euer anderes Familienmitglied zu übergeben! Es grüßen Mama und Scotty (Scotty bedankt sich auch für die Urlaubskarte an ihn!)

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  3. Oh, warst du auch dort? Ihre Kreuzfahrt wurde nicht versehentlich von der
    Firma Poseidon organisiert, die Kreuzfahrten anbietet https://poseidonexpeditions.com/de/. Mein Freund reiste mit einem solchen Team in die Arktis und ich
    war auch vor zwei Monaten am Nordpol, es war die Zeit meines Urlaubs und unvergessliche Abenteuer,
    von denen ich früher nicht mal träumen konnte.

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