Mittwoch, 24. Mai 2017

Ab ins Ausland

Drei Wochen haben wir benötigt, um uns durch Deutschland zu wurschteln. Wir hatten nicht erwartet, so lange zu brauchen, aber auf dem Weg gab es doch zu vieles zu entdecken. Und so vieles haben links liegen lassen und für den Rückweg eingeplant. Am Ende haben wir für das Ausland gar keine Zeit mehr.

Nun haben wir es aber doch geschafft. Am 20.05. übertraten (überfuhren) wir die Landesgrenze Richtung Luxemburg. Unser Wissensstand über dieses kleine Land war mehr als dürftig. Es ist klein, es liegt neben Deutschland irgendwo unter Belgien, es verliert beim Fußball immer hoch, es hat mit der EU zu tun. Das war es größtenteils. Ein Quick-Check bei Wikipedia ergab noch, dass es sich um das letzte Großherzogtum der Welt handelt (was auch immer das bedeutet – Politikwissenschaftler bitte vortreten), dass es früher zum Deutschen Bund (Vorläufer des Deutschen Reiches) gehörte, dass es danach lieber selbstständig wurde, anstatt an die Franzosen verkauft zu werden sowie dass es im Nordosten mit der „Luxemburgischen Schweiz“ eine ganz schöne Landschaft gibt.



Unsere Kraftfahrerin

So kann man doch übernachten



Und so steuerten wir nach dem Grenzübertritt auch diese Region als erstes an. Zumal sich dort auch das Schloss Beaufort befand. Dieses wurde gegen 1150 errichtet und ist damit fast ein Jahrhundert älter als Berlin. Im 19. Jahrhundert ging es aber mit dem Schloss abwärts, sodass es heute nur noch eine Ruine, wenn auch gut erhalten, ist. Und in dieser Ruine lässt es sich ganz prima herumtoben; Henri amüsierte sich zumindest prächtig beim Erforschen von verwinkelten Gängen und Kammern sowie beim Besteigen der supersteilen Wendeltreppe zum Burgturm (sehr zum Leidwesen von Anne).



Chateau Beaufort

Henri musste im Kerker bleiben


Aber auch optisch weiß die Luxemburgische Schweiz zu gefallen: Die Straßen schlängeln sich über grüne Hügel, auf denen Kühe grasen. Der Verkehr ist relativ entspannt. Kleine Bäche graben sich entlang an steilen Felsen voller Moos und Wald. Irgendwie ein bisschen wie die Nordinsel von Neuseeland. Und mittendrin liegt das Müllerthal mit dem „Schiessentümpel“: Ein kleiner Wasserfall, wo wir mal wieder ein bisschen mit der Kamera und deren Belichtungseffekt spielen konnten. Schön, schön, schön.



Die Luxemburgische Schweiz


Der Schiessentümpel


Die Stadt Luxemburg ließen wir links liegen, weil das mit dem großen Wohnmobil nicht so viel Spaß macht. Aber dafür machten wir noch einmal Halt an einem geschichtlich besonderen Ort, nämlich Schengen. Dem dort unterzeichneten und dementsprechend nach dem Ort benannten Abkommen ist es zu verdanken, dass wir heute innerhalb Europas größtenteils ohne Grenzkontrollen reisen können. Um zu unterstreichen, was für ein Kontrast dieser Zustand zur früheren Zeit bildet, wurden auch zwei Restteile der Berliner Mauer dort aufgestellt. Ich will hier nicht großartig politisch werden, aber es sind solche Errungenschaften, die mich persönlich immer an die EU glauben lassen anstatt irgendwelchen rückwärtsgewandten Nationalisten nachzurennen, die sich lieber in ihrem eigenen Land einigeln wollen.



Europaplatz in Schengen

Unser Schloss am Europadenkmal


Und da der Grenzübergang so einfach klappt, waren wir auch schwuppdiwupp schon in Frankreich. Und hier trafen wir wieder einmal auf die Mosel (bzw. Moselle, wie sie hier heißt), welche sich wie ein roter Faden durch unsere letzten beiden Reisewochen zu ziehen scheint (sie bildet ja auch den Grenzfluss zwischen Luxemburg und Deutschland). An jener haben wir erneut unser Lager aufgeschlagen in dem Ort Pont-á-Mousson in der Region Lorraine bzw. auf deutsch: Lothringen. Der Ort sieht zumindest in seiner Altstadt schon sehr klischeemäßig nach Frankreich aus bzw. nach dem Frankreich, was immer als Kulisse für Filme aus dem 2. Weltkrieg genutzt wird (die ganze Zeit habe ich darauf gewartet, dass Tom Hanks und Matt Damon in Uniform um die Ecke gelaufen kommen)... man muss allerdings die Baustelle und das Beachvolleyballfeld auf dem Marktplatz ausklammern. :-)



Pont-à.Mousson


Jedenfalls gefiel es uns so gut, dass wir einen Ruhetag einlegten und heute einfach mal die Beine baumeln lassen. Vor uns befindet sich der Jachthafen (eigentlich fies, den Reichtum der anderen anglotzen zu müssen, aber schön sieht es trotzdem aus), über uns scheint die Sonne, das Brot von der Bäckerei schmeckt ganz manifique und überhaupt soll man sich nicht stressen.

Insofern: Habt euch lieb und überlasst den anderen das Aufregen.

Peace, eure Blumenkinder.




PS: Eine kleine Anekdote haben wir dann doch noch. Mal wieder sind wir auf eine japanische/chinesische (?) Reisegruppe getroffen. Solche Begegnungen haben immer einen amüsanten Anstrich, weil ja Asiaten (jaja, ist zu pauschal, aber ihr wisst, was ich meine) alles und jeden fotografieren und bestaunen müssen. Ganz besonders ein kleiner weißer Dreikäsehoch, der an ihnen vorbeiläuft, erregt schnell das Interesse. Und da Asiaten in Bezug auf sowas auch eine etwas andere (bzw. keine) Zurückhaltung haben, mussten sie den Kleinen erst einmal in Beschlag nehmen. D.h. sie nahmen ihn ungefragt fürs Foto auf den Arm. Naja, wir sind das ja zum Glück für die Reisegruppe schon von unserer ersten Tour gewohnt. Wahrscheinlich hängt Henri irgendwo im Ostasiatischen Raum als Model für Babyzeugs herum und wir wissen gar nix davon.

Kommentare:

  1. Boah das sieht ja schön aus. Man merkt auch beim Lesen eine ausgeprägt positive Grundstimmung.
    Aber wo sind denn hier die sonst so meist zitierten französischen Sticheleien :P?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir haben inzwischen herausgefunden, dass Menschen aus Süddeutschland viel schlimmer sind. :-D

      Löschen
  2. Zur Ergänzung zum oberen Text.

    VG,
    AST

    AntwortenLöschen