Montag, 22. Mai 2017

Die Mosel

Mönsch Kinders, ist es jetzt doch schon wieder so lange her, seit unserer letzten Meldung? Und ihr sitzt zuhause vorm Rechner (oder eher auf Arbeit – gebt es zu) und knabbert an der Maus vor Aufregung? Sorry, aber bei uns verging die Zeit wie im Fluge. Es liegen tolle Tage hinter uns. Außerdem hat sich das Wetter gebessert, sodass wir endlich abends wieder draußen sitzen können. Da denkt man nicht immer an den Laptop.

Der „Kurzbesuch“ bei unseren Freunden in Mainz wurde zu einem viertägigen Aufenthalt. Das war ganz gut so, damit wir unsere Rotznase Klara wieder einigermaßen gesund bekommen konnten. Außerdem wurde uns Dank Larri und Sandra sowie „Kurzi“ (Larris Mama Andrea) und Paul (Larris Bruder) nie langweilig. Wir konnten sogar ein bisschen Sightseeing in Mainz betreiben, beschränkten uns dabei aber vor allem auf das Programm für junge Familien: Besuch des Volksparks mit riesigem Kinderspielplatz sowie Parkeisenbahn und Eisessen am Rhein. War aber auch schön. Als kulturelles Rahmenprogramm gab es dann am Abend „Germanys Next Topmodel“... naja, was tut man nicht alles für die Gastgeberinnen. ;-) Aber im Ernst: Vielen lieben Dank an Larri und Sandra, dass sie sich von uns Vieren überfallen ließen. Und als Reiseziel ist Mainz schon zu empfehlen, da kann man echt nicht meckern.


Der weitere Weg führte uns den Rhein hinab bis zum berühmten Loreley-Felsen. Durch diesen Felsen hat sich im Laufe der Jahrtausende der Fluss geschnitten und das Resultat ist der heutige kurvige Verlauf in diesem Abschnitt (bzw. generell in der Mittelrheinregion) mit vielen Untiefen und Verengungen. Früher sind daher reihenweise Boote an der Loreley versunken, aber heute ist das nach mehreren Flusskorrekturen kein Problem mehr. Entsprechend hoch ist der Güterschiffsverkehr auf dem Rhein, wo fast im Minutentakt ein Schiff vorbeikommt. Dazu kommt noch der Bahn- und Straßenverkehr auf beiden Ufern. Es ist hier also eine Menge los. Und trotzdem kann die Aussicht dafür entschädigen, denn die Natur sowie die hübschen alten Gebäude von St. Goar (auf der Westseite in Rheinland-Pfalz) bzw. St. Goarshausen (auf der Ostseite in Hessen) wissen zu imponieren.

Loreley

St. Goarshausen

Wer nun aber denkt, schöner geht es nicht mehr, der hat noch nicht die Mosel besucht. Aber halt; vorher haben wir noch einen Tipp für Schwindelfreie: Die Überquerung der (inzwischen nur noch) zweitlängsten Hängeseilbrücke Deutschlands. Die Geierlay spannt sich 360m in einer Höhe von 100m über den Mörsdorfer Bachtal. Da kann einem schon mulmig werden. (Probiert es mal aus. Inzwischen haben wir erfahren, dass die längste Hängeseilbrücke der Welt im Harz eröffnet wurde. Hört sich an, als mussten wir da noch einmal vorbei. Ob Anne da mitmacht, ist allerdings fraglich. Sie hat eine Aversion gegen Höhen entwickelt.) Außerdem feierten wir hier ein weiteres Highlight in Henris Entwicklung. Nachdem wir die Brücke überquert hatten, sagte dieser „Ich muss kacken!“* - was also tun? Fluchs das nächste Waldstück aufgesucht, Hose runter und Jungen abgehalten. Das wollte er aber nicht. Also gut, wir erklärten ihm, wie er sich hinzuhocken habe und prompt kackte unser Sohn in den Wald! Tolle Sache!


Nun aber zur Mosel. Kurz vor Cochem stießen wir auf diese und folgten dem Flusslauf hinauf. Und es ist wirklich ein wunderschöner Flecken Erde hier. Ein ekelhaft schöner Fluss schlängelt sich ekelhaft gemächlich vorbei an ekelhaft schönen Weinhängen, die ekelhaft leckeren Wein produzieren, weil hier ja ekelhaft oft die Sonne scheint. Vorbei an ekelhaft alten Burgen aus Zeiten des Mittelalters oder gar der Römer, die in ekelhaft schmucken alten Städtchen stehen. Und natürlich sind die Menschen hier alle ekelhaft wohlhabend. Ekelhaft!

Typisches Moselpanorama

Leider konnten wir vieles gar nicht so genau erkunden. Zum einen weil wir ja mit den Kiddies und ihren Schlafrhythmen nicht immer so flexibel sind. Aber zum anderen sind die Tourismus-Leute da selbst Schuld, wenn sie die Hinweisschilder zu irgendwelchen römischen Kastellen/mittelalterlichen Burgen usw. super klein und erst direkt bei der Abfahrt von der Hauptstraße anbringen. Mit so einem Wohnmobil kann man nun mal nicht spontan von 90 auf 20 runter bremsen, ohne nachher aufräumen zu müssen (bzw. die Beulen von den Kindern zu verarzten).

Trotzdem haben wir schöne Eindrücke von der Region sammeln können. In Bernkastel-Kues haben wir die Burgruine Landshut besucht und eine kleine Dampferfahrt auf dem Fluss gemacht. Auch Trier lernten wir etwas näher kennen, was aber mehr daran lag, dass wir in der Innenstadt einen Arzt sowie mehrere Apotheken besucht haben (keine Sorge: es geht uns soweit gut). So konnten wir die schöne Innenstadt gar nicht richtig begutachten. Aber immerhin kamen wir am Geburtshaus von Karl Marx vorbei.

Wir vor der Burg Landshut (leider mit Baukran - aber als Berliner kennt man dit ja)

Bernkastel von oben
Bevor wir endgültig den Grenzübertritt nach Luxemburg wagten, machten wir noch einen kurzen Schlenker entlang der Saar, welche bei Konz in die Mosel mündet. Eher zufällig stießen wir auf das Städtchen Saarburg, wo wir übernachteten. Diese verfügt über die inzwischen standardmäßig vorhandene Burg, eine hübsche alte Kirche, schöne Gässchen, einen kleinen Wasserfall und eine Seilbahn. Und nachts, wenn es windstill ist und der Fluss völlig zur Ruhe kommt, kann man atemberaubende Schnappschüsse vom Stadtpanorama machen.

Wasserfall in Saarburg

Saarburg bei Nacht

Unser eigentliches Ziel war die Saarschleife bei Mettlach. Der Ausguck Cloef ist ziemlich bekannt und wurde auch von einigen Politikern (z.B. der Bundes-Mutti oder dem selbsternannten „GröFaZ“) für öffentlichkeitswirksame Auftritte genutzt. Umso erstaunlicher ist es, dass es wieder nicht geschafft wurde, diesen korrekt auszuschildern. Aber wir sind ja geduldig. Leider spielte das Wetter nicht so mit und wir hatten teilweise kräftigen Regen, der erst pünktlich stoppte, als wir wieder im Auto saßen. Naja, auch so ist der/die/das Cloef einen Besuch wert.

Saarschleife

Und damit endet unser Bericht fürs Erste, obwohl es noch eine Menge zu berichten gäbe. Wir haben in der Zwischenzeit den Sprung über die Grenze nach Luxemburg geschafft, dieses ein wenig näher betrachtet und für gut befunden. Nun sind wir in Frankreich angekommen. Aber davon dann beim nächsten Reisebericht mehr.

Klannrian.

*Anmerkung: Das Thema der Körperentleerung spielt unter Camingbedingungen natürlich eine große Rolle. Jeder Festivalbesucher wird das bestätigen können. Und für Eltern sind die selbstgesteuerten Entleerungsvorgänge ihrer Kinder gleichbedeutend mit erhöhter Lebensqualität. Daher hier nun ein paar Exkurse zu dem Thema.
  1. Henri geht seit Beginn der Reise selbstständig auf die Toilette ist damit tagsüber windelfrei. Dieser Meilenstein in seinem Leben hat tiefgreifende Änderungen nach sich gezogen. Einerseits hatten wir ihn vorher immer mit Belohnungen geködert, sodass er jetzt jedes Mal eine einfordert, wenn er eine Wurst gelegt hat. Andererseits lebt er die neu gewonnene Fähigkeit auch intensiv aus, weswegen mehrere Klogänge fürs große Geschäft am Tag zur Normalität geworden sind (Miriam oder auch Sandra/Larri wissen Bescheid). Dadurch ist auch unsere Bordtoilette in dauerhafter Benutzung, was mich gleich zu zum nächsten Exkurs bringt.
  2. Ich muss mich echt noch an die Bordtoilette gewöhnen. Bisher bestand ja nie die Notwendigkeit. In Neuseeland und mit Abstrichen in Australien gibt es überall kostenfreie und relativ gut gepflegte öffentliche Toiletten. Allein der Gedanke an eine Bordtoilette erschien dort absurd. Des Weiteren haben wir dort sehr oft relativ unbehelligt übernachten können, wodurch z.B. das kleine Geschäft meistens in die Natur ging (und es gibt nichts Schöneres als nachts beim Pinkeln den neuseeländischen Sternenhimmel zu beobachten). Das geht in Deutschland so leider nicht. Es gibt hier fast keine öffentlichen Toiletten und falls doch, sind diese kostenpflichtig und/oder Dreckslöcher. Neben das Auto pinkeln könnte zu Konflikten mit dem Nachbarn führen. Also bleibt nur die Bordtoilette.
    Und diese ist klein und eng! Selbst für mich 1,74-m-Knirps! Anne kommt damit besser klar, aber ich führe jedes Mal einen halben Affentanz auf, um die Hose runter- und wieder hochzuziehen. Außerdem empfinde ich die 1,5 cm Pressspanplatte Trennwand nur als suboptimalen Schutzwall zur Wahrung meiner Intimsphäre. Kacken ist nun mal Privatsache.
    Und schlussendlich hat die Benutzung der Toilette immer zur Folge, dass das Chemieklo ein bisschen voller läuft. Und irgendwann muss man das halt entleeren und säubern. Also schleppen wir am Ende doch wieder die Kacke von unserem Sohn weg. Grmpf!
Damit nun aber genug dazu. Ich will euch ja nicht quälen. :-)

Kommentare:

  1. Haha super witzig geschrieben Basti. Und es macht sehr viel Lust auf einen Mosel Besuch:-*

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Kinderchen, ich habe ja noch nie so einen witzigen Bericht übers Kacken gelesen :-) Ich freue mich über Eure schönen Reiseberichte und wünsche Euch weiter viel Spaß. Ja, an der Mosel ist es wirklich schön, da waren wir schon mal mit Steffi.

    AntwortenLöschen
  3. Tolles Bild mit den Mädels :-) und natürlich tragen alle Brille. Ihr seid doch Geschwister ;-)
    Euer Bericht macht tatsächlich Lust auf die Mosel. Sehr schön :-) Und danke für den Exkurs zum Thema Körperentleerung :-P
    Seid ganz dolle gedrückt!
    Liebe Grüße von Kandrix

    AntwortenLöschen
  4. Das sind ja ekelhafte Details ... ähh Bilder :P.
    Warum solltest du auch Privatssphäre haben, wenn dein Sohn sie doch auch nicht hat :).
    Die Freiheit auf dem Campingplatz hatte ich mir aber anders vorgestellt o.O.

    VG,
    AST

    AntwortenLöschen