Dienstag, 6. Juni 2017

Fronkraisch, Fronkraisch

Bonjour mes amis!

Unser letzter Eintrag endete kurz nachdem wir französischen Boden betreten hatten. Hier stand wir vor der Entscheidung, in welche Richtung wir unsere Reise fortsetzen sollten. Unser inoffizielles Reiseziel ist Andorra (damit wir sagen können, dass wir mal da waren) und um dieses zu erreichen, mussten wir einmal Frankreich von Nord nach Süd durchqueren. Aber wie? Direkt nach Westen, um die Normandie und Bretagne mitzunehmen? Oder Richtung südliche Atlantikküste bei Bordeaux? Gerade durchs Land ohne Meer? Oder doch direkt nach Süden zur Côte d'Azur? Im Endeffekt haben wir uns für den Mittelweg zwischen den letzten beiden Optionen entschieden. Denn der Weg durch Deutschland hatte ja nun schon lange genug gedauert und wir wollten endlich warmes Sommerwetter bekommen.

Und in dieser Hinsicht haben wir bisher alles richtig gemacht. Tag für Tag steigen die Temperaturen und scheint die Sonne ein bisschen mehr. Zum Glück haben die meisten Campingplätze Bademöglichkeiten. Und abends können wir wieder schön lange draußen sitzen und uns die kühlgestellten Getränke (z.B. Wein oder Bier) schmecken lassen. Es fühlt sich immer mehr an wie ein Sommerurlaub. Und dieses Frankreich weiß echt zu gefallen mit seiner Landschaft. Wer viel davon sehen möchte, dem sei unser TomTom-Navigationsgerät wärmstens ans Herz gelegt. Diese hat anscheinend einen eingebauten Panorama-Modus, denn immer, wenn es die Wahl zwischen einer breiten Bundesstraße um den Berg herum und einer engen Serpentinenpiste über den Berg hinüber hat, entscheidet es sich ganz gewiss für die letzter Option und behauptet steif und fest, dass das die schnellste Route wäre. Das hat optisch durchaus seine Reize, sorgt aber bei der Steuerung eines fast 3,5-Tonnen schweren Gefährts für einige Schweißperlen auf der Stirn. Na gut, zum Teil sind wir auch selbst Schuld, weil wir meistens auf die kostenpflichtige Autobahn verzichten. Aber trotzdem trauen wir unserem Navi nicht mehr so ganz.

Jedenfalls konnten wir gut den Wandel der Landschaft von Nord nach Süd beobachten. Von Pont-à-Mousson ging es an Nancy vorbei in Richtung Süd durch Lorraine bzw. Lothringen. Hier ist das Bild geprägt von grünen Hügeln, auf denen Schafe, Kühe oder Pferde weiden. Dazwischen Felder, über die hin und wieder ein Mähdrescher oder Traktor rollte, und verschlafene Dörfchen mit ein paar alten Häuschen und einer buckeligen Oma am Straßenrand. Sehr schön und sehr entspannt. Und das hätte alles uns gehören können, hätten wir damals nicht den Krieg... aber lassen wir das lieber. Weiter ging es parallel zur Autobahn durch das Grenzgebiet zwischen den Regionen Champagne-Ardenne, Franche-Comte und Bourgogne, wo die Hügel immer höher und steiler wurden. Dank der oben genannten Eigenschaft des Navis wurde daher die von uns zurückgelegte Strecke immer kürzer und Anne saß immer öfter kopfschüttelnd über der Karte (die aber leider viel zu grob ist, um auf das Navi komplett verzichten zu können).
Schaun das Schaf

Ostfrankreich: Typisches Landschaftsbild

Nach einer besonders intensiven Tour wurden wir immerhin mit einem kleinen Kinderparadies belohnt, denn auf dem Campingplatz gab es alles, was das Herz eines kleinen 2jährigen Energiebündels höher schlagen lässt: Hüpfburg, Trampolin, Spielplatz und Hallenbad. Und was noch besser war: Direkt neben uns hielt am nächsten Tag ebenfalls eine vierköpfige deutsche Jungfamilie. Und so gab es endlich mal Spielkameraden für unsere beiden Racker. Henri und die 3jährige Viktoria unterhielten in der Folge den ganzen Campingplatz, als sie nur mit Indianerschminke im Gesicht bekleidet wild kreischend übers Gelände rannten und imaginäre Feinde angriffen. Und Klara hat sich hoffentlich bei der 1jährigen Katharina ein paar Krabbel-Moves abgeschaut. Wir beide genossen abends mit den den Eltern Vincent und Anke ein paar Gläser (zuviel) Wein und quatschten bis (viel zu) spät in die Nacht. Nebenbei konnten wir uns bei den beiden noch tolle Tipps für die weitere Südroute holen, da sie von dort auf dem Rückweg waren.
Henri und Viktoria beim Wettrennen

Klara lernt derweil fliegen
U.a. empfahlen sie uns den Besuch des Dorfes Mirmande, welches zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs gewählt wurde. Zurecht! Man bekommt zwar stramme Waden von den steilen Gassen, weil es direkt an einem Berghang liegt. Und barrierefrei ist es dort garantiert nicht (also Kinderwagen zuhause lassen). Aber sonst hätte es ja auch nicht dieses tolle Flair. Ein bisschen stellen wir uns so ein sizilianisches Dorf vor (vermutlich gibt es in Mirmande auch einen Paten). Überhaupt wurde die Gegend im südlichen Teil der Rhône-Alpes, wo wir uns nun befanden, immer mediterraner. Auf einmal hörte man Zikaden (oder es saß überraschend eine früh morgens auf dem Stromstecker – brrr!) und statt Laubbäumen gab es mehr Zitronenbäume oder Büsche am Wegesrand. Man spürte förmlich, dass das Meer nicht mehr so weit weg sein konnte. Vorher gönnten wir uns aber noch ein paar Highlights.


Mirmande
Mirmande - Achtung, man kann sich leicht verlaufen
Zum einen befindet sich hier die Chauvet-Höhle, welche einige der ältesten und schönsten Höhlenmalereien der Menschheit (die ältesten ca. 36.000 Jahre alt) beinhaltet. Die Höhle selbst darf man leider nicht besuchen, aber um der Öffentlichkeit einen perfekten Eindruck zu geben, wurde die Höhle einfach 1:1 in der Caverne du Pont d'Arc nachgebaut und kann besucht werden. Und eben das taten wir. Sehr faszinierend, wie gut und präzise diese Höhlenmalereien sind (leider durfte man keine Fotos machen, was im Nachhinein eigentlich keinen Sinn ergibt). Henri fand aber die Nachbildungen vom Mammut und Säbelzahntiger viel spannender. Die namensgebende Pont d'Arc für die Caverne ist übrigens ebenfalls sehr sehenswert. Hier handelt es sich um einen natürlichen Durchbruch des Flusses Ardèche durch den Felsen, wodurch eine bogenartige (Arc) Brücke (Pont) entstand. Und wenn man schon mal da ist, folgt man noch gleich dem Flussverlauf Richtung Rhône, denn so durchquert man die Gorges de l'Ardèche. Diese Schlucht ist atemberaubend schön. Sie ist auch atemberaubend steil und hoch – aber gerade deshalb so schön! Atemberaubend ist auch die Pont du Gard (also die Brücke über den Fluss Gard). Dabei handelt es sich nicht um eine gewöhnlich Brücke, sondern ein 2000 Jahre altes Aquädukt aus der Zeit der Römer. Es ist sowohl eins der höchsten als auch am besten erhaltenen Aquädukte. Und es wurde von den Römern in nur fünf Jahren erbaut. Da sollen sich mal die BER-Planer eine Scheibe abschneiden!

Manni das Mammut

Gorges de l'Ardêche - für ein gutes Foto begeben wir uns auch in Lebensgefahr
Pont d'Arc
Pont du Gard


Und endlich erreichten wir das Mittelmeer. Südöstlich von Montpellier ließen wir uns an diesem nieder und erholten uns erst einmal vom vielen Fahren. Allerdings waren wir in einer Art Campingplatz für Cluburlauber gelandet und haben den kompletten Reisestrom der Pfingstferienfahrer aus Baden-Württemberg abbekommen. Also echt... ich bin ja kein Rassist, ABER... diese Sprache! Nee, das ist keine Sprache, das ist eine Blutgrätsche für die Ohren. Wieso lästern immer alle über die Sachsen? Die kann man wenigstens verstehen. Aber gut, ich versteige mich hier schon wieder. Sorry.
Wir haben uns daher wieder in den Bergen versteckt und werfen mit Steinen auf die Schwaben und Badenser. Aber im Mittelmeer gebadet haben wir trotzdem schon (außer Henri, der hatte Angst vor den Wellen – man glaubt es kaum).
Klara geht im Meer baden

Henri erholt sich vom Buddeln

Au revoir
vous Anne, Klara, Henri et Basti.
(PS: Dank der überragenden Technik gibt es vorerst noch keine Fotos. Der Transponster schrie irgendwas von "Scheiß Internet!" und kündigte. Wir reichen das später nach.
PPS: Hat jetzt doch geklappt. Windows 10 hat sich zum ersten Mal als zickig erwiesen. Blöde IT!)

Hier noch ein paar allgemeine Beobachtungen übers Camping:

Scheinbar gibt es im Bereich des Campingplatzbetriebs Kostentreiber, die für uns Normalsterbliche nicht sofort nachvollziehbar sind. So wunderten wir uns bereits im Westen Deutschlands, dass bei den Spülbecken für das Geschirr keine Stöpsel vorhanden sind. D.h. wenn man selbst keine Abwaschschüssel o.ä. besitzt, muss man halt das Wasser laufen lassen. Was wiederum einer Ironie nicht entbehrt, wenn über dem Waschbecken zum Wassersparen und Umweltschützen aufgefordert wird. Ja, dann legt doch halt ein paar blöde Stöpsel bereit, ihr Deppen!

Aber da hört es ja nicht auf. In Frankreich gab es dann auf einmal keine Klobrillen mehr. D.h. man sitzt auf der blanken Keramik. Kann man jetzt zu stehen wie man will. Vielleicht gab es zu viele Fälle von Zeitung lesenden Klogängern, die für meilenweite Schlangen gesorgt hatten. Und um dem einen Riegel vorzuschieben, machen die Franzosen das Örtchen halt ungemütlich. Glaubt ihr nicht? Naja, sie haben auch oft noch diese Löcher im Boden, die manch einer noch von italienischen Autobahntoiletten kennt. Und da drauf kannste dann echt keine Zeitung mehr lesen.

Der dritte offensichtlich große Kostentreiber ist das Klopapier. Auch dieses wird in Frankreich sehr häufig eingespart. Hier gilt die Regel „Bring your own“. Blöd, wenn einem das erst nach dem Geschäft bewusst wird. Der witzige Nebeneffekt sind mit Klopapier bewaffnete Camper, denen man immer am liebsten hinterherrufen möchte „Ich weiß ja, was du vorhast!“.

Packt also immer einen Stöpsel, einen Klodeckel und genügend Papier ein, wenn es nach Frankreich geht. (PS: Falls also jemand da draußen in nächster Zeit seinen Master in BWL machen möchte, schlage ich hiermit schon mal eine Kosten-Nutzen-Analyse für Sanitärartikel im Bereich der Campingplatzwirtschaft in Frankreich vor. Gerne stelle ich mich für den Praxisteil zur Verfügung.)

Kommentare:

  1. Juhu, ihr Lieben,
    das ist wieder ein ganz toller Bericht! Da lernt man sogar was (ich hatte bisher keinerlei Wissen über die französiche Geographie).
    Und man kann sich richtig gut vorstellen, wie ihr erst meckernd im Auto sitzt (dank TomTom) und dann bei dem schönen Ausblick vor Entzücken seufzt :-)
    Dicke Knutscher,
    Kati

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  2. Daten aktivieren im BW. Ergo... ich habe Zeit das Blog nachzuholen *rofl*. Lieben Dank für die ausführlichen Erzählungen. Amüsiere mich köstlich und freu mich schon auf den nächsten Eintrag.

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  3. Schön siehts da aus. Da bin ich ja beruhigt, dass es doch noch was zum Meckern gab ;P.

    VG,
    AST

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